ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2008Notfallmedizin: Nur mit Stroke-Unit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Das Eckpunktepapier ist ein dankenswerter Einstieg in eine unbedingt erforderliche Diskussion über die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung, die die verantwortlichen Länderministerien und die Krankenhausträger mit den Fachgesellschaften aufnehmen müssen. Die DGN und die DSG halten die Grundpositionen dieses Eckpunktepapiers für richtig. Wir unterstützen insbesondere, dass eine erfolgreiche Notfallversorgung sich maßgeblich am Faktor Zeitersparnis ausrichten muss und dass die Versorgungsstrukturen den anerkannten Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften genügen müssen. Dies hat für den Schlaganfall, die neurologische Volkskrankheit, ganz besonderes Gewicht, da hier jede Minute zählt, wenn es um die Rettung von Hirngewebe geht, das bekanntermaßen nicht regenerierbar ist . . . In dem Eckpunktepapier bedürfen zwei von vier Erkrankungen maßgeblich der neurologischen Therapie und Diagnostik. Unter den Voraussetzungen für die Teilnahme an der Notfallversorgung wird aber das Vorhandensein einer neurologischen Abteilung mit Stroke-Unit nicht erwähnt. Für die stationäre Versorgung dieser Notfälle muss das aber gefordert werden. Auf den Stroke-Units kann das geforderte Zeitintervall bis zur Therapie von 90 Minuten in der Mehrzahl der Fälle eingehalten und dank organisierter Absprachen mit dem Rettungsdienst an vielen Orten unterboten werden. Die Thrombolyse kann in einer Klinik mit Stroke-Unit und Schlaganfallerfahrung viel besser erfüllt werden: Die Zahlen der hessischen Schlaganfalldatenbank zeigen, dass Patienten mit stationärer Aufnahme innerhalb von drei Stunden nach dem Akutereignis in Kliniken ohne Stroke-Unit in nur sechs Prozent und in Kliniken mit Stroke-Units in 28 Prozent thrombolysiert werden. Darüber hinaus haben Schlaganfallpatienten, die auf einer Stroke-Unit behandelt wurden, nach drei Monaten ein um 25 Prozent besseres Ergebnis. Daher fordern wir, dass die Voraussetzungen für die klinische Notfallversorgung im Eckpunktepapier dahingehend erweitert werden, dass nur solche Klinika an der Versorgung akuter Schlaganfälle beteiligt werden, die über eine neurologische Abteilung mit Stroke-Unit verfügen. Die stationäre Neurologie ist mittlerweile zu einem überwiegenden Notfallfach geworden, was selbst unter ärztlichen Kollegen immer noch nicht genügend realisiert wird. So werden in den neurologischen Akutkliniken der Bundesrepublik durchschnittlich 75 Prozent der stationären Patienten als Notfälle aufgenommen. An manchen Klinika sind die neurologischen Notaufnahmen bereits die größte Untergruppe unter den Notaufnahmen. Daher müssen Neurologen unmittelbar an der stationären Notfallversorgung beteiligt werden. Auch in kleineren Häusern muss ein in neurologischen Notfällen erfahrener Neurologe unmittelbar hinzugezogen werden . . .
Prof. Dr. med. Günther Deuschl,
1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für
Neurologie, Neurologische Klinik im Neurozentrum, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Schittenhelmstraße 10, 24105 Kiel
Dipl.-Psych. Prof. Dr. med. Dr. h. c. Werner Hacke, 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall,
Gesellschaft, Direktor der Neurologischen
Universitätsklinik der Ruprecht-Karls-Universität,
Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema