ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2008Praxisführung: Kreditsicherheiten hinterfragen

WIRTSCHAFT

Praxisführung: Kreditsicherheiten hinterfragen

Dtsch Arztebl 2008; 105(45): A-2413 / B-2053 / C-1989

Vetter, Michael

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LNSLNS Einmal gegebene Kreditsicherheiten werden von der Bank in der Regel erst dann freigegeben, wenn die vollständige Darlehensrückzahlung erfolgt ist.

Unruhig wurde Ernst M. erst, als ihn seine Frau beiläufig nach der von ihr bereits vor Jahren unterschriebenen Bürgschaftserklärung fragte. Diese war nach Ansicht seiner Hausbank seinerzeit erforderlich, weil M. eine kostspielige Erweiterungsinvestition seiner Praxis plante und dazu ein Bankdarlehen benötigte. Neben der Eintragung einer Grundschuld auf seinem Praxisgebäude bestand die Bank auf die Bürgschaft der Ehefrau. Unterlegt war diese Bürgschaft über 150 000 DM (rund 76 700 Euro) durch zwei unbelastete Immobilien von Frau M.

Da das Darlehen mittlerweile bis auf einen Restbetrag von 3 000 Euro zurückgezahlt wurde, erschien es Frau M. an der Zeit, ihren Mann auch an die Bürgschaft zu erinnern. Der hat seine Hausbank nach diesem Gespräch schriftlich um eine Bestätigung gebeten, aus der hervorgeht, dass diese aus der Bürgschaft keinerlei Rechte mehr herleiten wird. Da Frau M. damals ausschließlich für das Investitionsdarlehen bürgte, ist diese Erklärung Formsache. Daran dürfte auch der noch bestehende geringe Darlehensbetrag nichts ändern.

Für M. ist die Angelegenheit damit aber noch nicht beendet. Er hat sich vorgenommen, alle Kreditsicherheiten der drei mit ihm zusammenarbeitenden Banken zusammenzustellen, zu ordnen und sich vor allem Klarheit über den jeweiligen Sicherheitenwert zu verschaffen. Diesem Wert will er seine Kreditsalden gegenüberstellen und gemeinsam mit seinen Banken prüfen, ob nicht zumindest ein Teil der Kreditsicherheiten inzwischen entbehrlich ist.

Diese Überlegungen sollten sich Praxisinhaber grundsätzlich ebenfalls zu eigen machen. Die Realität sieht dagegen oft anders aus: So ist es bei vielen Ärzten nach wie vor nicht üblich, regelmäßige Bestandsaufnahmen ihrer Kreditsicherheiten durchzuführen. Einmal unterschrieben, werden die Kreditunterlagen abgelegt und nicht mehr hervorgeholt. Es sind vielmehr häufig sogar die Banken als Kreditgeber selbst, die ihre Kunden dann an Sicherheiten erinnern, wenn etwa eine aktuelle Schätzung der mit einer Grundschuld belasteten Immobilie erforderlich ist oder wenn um eine ebenfalls aktualisierte Aufstellung jener Forderungen des Arztes gegenüber seinen Kunden gebeten wird, die an die jeweils kreditgebende Bank schon vor Urzeiten abgetreten wurden. Selbst diese „freundlichen Erinnerungen“ sehen Praxisinhaber erfahrungsgemäß nicht immer als Anregung an, selbst tätig zu werden und sich den fälligen Überblick zu verschaffen.

Den Banken, die Kredite zur Verfügung stellen, sollte hier kein Vorwurf gemacht werden. Sie werden, aus ihrer Sicht auch nachvollziehbar, ihnen überlassene Sicherheiten erst dann freigeben, wenn der damit verbundene Absicherungszweck, die vollständige Kreditrückzahlung, auch tatsächlich erfolgt ist. Eine gemeinsame Prüfung der meist unterschiedlichsten Sicherheiten mit dem Arzt als Kunden auch während der Laufzeit bestehender Darlehen gehört nicht zum selbstverständlichen Angebot der Finanzbranche.

Beide Seiten profitieren
Dabei kann eine solche Prüfung einschließlich einer eventuellen Neuordnung für beide Seiten sinnvoll sein. Wenn sich etwa der Kunde entscheidet, statt der erwähnten arbeitsaufwendigen Abtretung von Kundenforderungen eine werthaltige Grundschuld zur Verfügung zu stellen, kann ihm das Kreditinstitut einen je nach Kreditwürdigkeit weitaus besseren Zinssatz berechnen, als dies bisher der Fall ist. Darüber hinaus dient es auch der gegenseitigen Vertrauensbildung, wenn der Arzt weiß, dass seine Bankdarlehen nicht übersichert sind, sondern die Darlehenshöhe und die realistisch eingeschätzte Kreditsicherheiten etwa den gleichen Wert haben.

Wichtig ist es für den Arzt, dass er sich, über die Darlehensverträge hinaus, die mit seiner Bank getroffenen Sicherheitenvereinbarungen genau ansieht. Er sollte wissen, welche Sicherheit für welches Darlehen zur Verfügung steht. Dies war bei der eingangs beschriebenen Bürgschaft nicht der Fall: Weder M. noch seine Frau waren sich während der Darlehenslaufzeit darüber im Klaren, im welchem Umfang Frau M. nun tatsächlich haftet. Erst nach Durchsicht der Unterlagen, also nach fast sieben Jahren, war beiden klar, dass die Bürgschaft ausschließlich als Absicherung für das damalige Praxisdarlehen verlangt wurde.
Michael Vetter


Checkliste
- Aus Gründen der Rechtssicherheit sollten nicht nur Darlehensverträge, sondern auch die damit verbundenen Sicherheitenvereinbarungen vom Arzt sorgfältig geprüft werden.
- Weichen diesbezügliche Vertragsdetails von den bisher mündlichen Vereinbarungen mit dem jeweiligen Kreditgeber etwa durch unterschiedliche Einschätzungen ab, können meist noch rechtzeitig Änderungen oder Konkretisierungen vorgenommen werden.
- Ärzte sollten Ablauftermine von Darlehen selbst überwachen und rechtzeitig mit ihrer Bank über dann freizugebende Sicherheiten reden. Diese Sicherheiten können dann für künftige Kredite erneut verwendet werden.
- Auch während der Kreditlaufzeit sollte mit dem Bankpartner regelmäßig über Details der Kreditsicherheiten geredet werden. Punkte wie ein Sicherheitentausch, eine teilweise Sicherheitenrückgabe oder auch eine Verstärkung von Sicherheiten sollten besprochen werden.
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