ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Künstliche Befruchtungsmethoden führen zur Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften

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Künstliche Befruchtungsmethoden führen zur Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften

Bühring, Petra

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LNSLNS Die zunehmende Inanspruchnahme von Behandlungsmethoden bei Unfruchtbarkeit hat in Dänemark in den letzten Jahren zu einer starken Zunahme von Zwillings- und Drillingsschwangerschaften geführt. So jedenfalls lautet das Fazit einer Studie, die vom Department of Epidemiology Research, Kopenhagen, Dänemark, durchgeführt wurde.
In diesem Jahrhundert schwankten die Raten von Mehrlingsschwangerschaften stark, was hauptsächlich durch Änderungen im Alter der Gebärenden und durch die schon vorher erfolgten Geburten der Gebärdenden begründet wurde. Neue Risikofaktoren für Mehrlingsschwangerschaften wurden in der Einführung hormonell induzierter Ovulationen und moderner Reproduktionstechniken vermutet. Anhand nationaler Dokumentationen analysierten die Autoren der Studie zwischen 1980 und 1994 insgesamt 497 979 Däninnen mit 803 019 Schwangerschaften. Die Anzahl der Mehrlingsschwangerschaften stieg in diesem Zeitraum um das 1,7fache; der deutlichste Anstieg war in den letzten fünf Jahren des Untersuchungszeitraums zu verzeichnen, und zwar fast ausschließlich bei Erstgebärenden über 30 Jahren. Hier verdreifachte sich die Anzahl der Zwillingsschwangerschaften - bezeichnenderweise ausschließlich zweieiige Zwillinge - und die Anzahl der Drillingsschwangerschaften verneunfachte sich sogar. Das Verhältnis von Mehrlingsschwangerschaften bei Totgeburten über 30jähriger Frauen stieg im Untersuchungszeitraum von 11,5 auf 26,9 Prozent. Insgesamt stieg die Kindersterblichkeit jedoch nicht an, da gleichzeitig die Anzahl der Totgeburten bei Einzelschwangerschaften abnahm. Künstliche Befruchtungsmethoden haben also nicht nur Auswirkungen auf die Möglichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft, sondern auch auf die Kindersterblichkeitsrate. In Dänemark haben sie zu einer Verzögerung der anderenfalls zurückgehenden Kindersterblichkeitsrate geführt. Gleichzeitig ist bei Mehrlingsschwangerschaften ein - bekanntermaßen - höheres Risiko für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Morbidität vorhanden. Die Autoren gehen von einer weiteren Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften im Laufe der nächsten Jahre aus. Aus diesem Grund raten sie zu einem kontrollierten Einsatz der künstlichen Befruchtungsmethoden, damit es nicht zu ungerechtfertigten und eventuell vermeidbaren medizinischen wie ökonomischen Konsequenzen kommt. pb


Westegaard T, Wohlfahrt J, Aaby P, Melbye M: Population based study of rates of multiple pregnancies in Denmark, 1980-94. Brit Med J 1997; 314:775-779.
Prof. Mads Melbye, Department of Epidemiology Research, Danish Epidemiology Science Centre, Statens Serum Institut, Artillerivej 5, 2300 Kopenhagen S, Dänemark.

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