ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2008Gesetzliche Regelungen: Klare Entscheidung

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Gesetzliche Regelungen: Klare Entscheidung

PP 7, Ausgabe November 2008, Seite 497

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Die Entscheidung ist da und für die Psychologischen Psychotherapeuten (PP) sogar recht erfreulich ausgefallen: Die Mindestquote für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) wird auf 20 Prozent festgelegt. Ende Oktober verabschiedete der Bundestag das „GKV-Organisationsweiterentwicklungsgesetz“ (GKV-OrgWG), das es der Regierung ermöglicht, noch vor der Bundestagswahl im kommenden Jahr gesundheitspolitische Einzelregelungen durchzusetzen – so auch die Mindestquote.

Die gemeinsame Bedarfsplanung von KJP und Erwachsenentherapeuten war bereits in der Vergangenheit immer wieder kritisiert worden. Vor allem, da es in der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen immer noch Defizite gibt. Die zunächst von der Regierung geplante Quote für KJP in Höhe von zehn Prozent wäre demnach viel zu niedrig gewesen und hätte zu einer psychotherapeutischen Unterversorgung von Kindern und Jugendlichen geführt. Die 20-Prozent-Quote kann man daher als vollen Erfolg feiern. Sie wird die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen auf lange Sicht deutlich verbessern. Und dafür ist es höchste Zeit.

Die neuen Bestimmungen bringen also viele Veränderungen mit sich und kommen den Wünschen der PP dieses Mal sehr entgegen. Denn auch die Quote der ärztlichen Psychotherapeuten wird von 40 auf 25 Prozent gesenkt. Dies wird weitere 700 Sitze für PP schaffen: ein weiterer Erfolg.

Mit dem neuen Gesetz fällt zudem die Altersgrenze für Ärzte und Psychotherapeuten. Demnach können PP künftig auch nach Vollendung des 68. Lebensjahres vertragsärztlich tätig sein. Obwohl – so neu ist es ja gar nicht: Erst seit 1993 heißt es im Sozialgesetzbuch: „Im Übrigen endet ab 1. Januar 1999 die Zulassung am Ende des Kalendervierteljahres, in dem der Vertragsarzt sein 68. Lebensjahr vollendet.“

Den Psychotherapeuten ist es nun aber endlich wieder möglich, selbst zu bestimmen, wann sie ihre Kassenzulassung abgeben und die Nachfolge einem Kollegen überlassen wollen. Die strikte Regelung passte nicht mehr in das heutige Berufsbild des Psychotherapeuten. In Zeiten, in denen Menschen immer älter werden, sollten sie eigenständig entscheiden können, wann sie ihre berufliche Karriere beenden. Für PP und ihre Patienten ist diese Neuerung sicherlich ein Gewinn – für den in den Startlöchern stehenden Nachwuchs ist sie eher ein Hindernis. Ab sofort wird es aufgrund dieser Regelung noch schwerer sein, einen der begehrten Praxissitze zu bekommen.

Um dies aufzufangen, wurden zusätzlich Teilzulassungen ermöglicht, sodass der Praxissitz noch nicht komplett abgegeben werden muss. Vor allem ältere Kollegen sollen so die Chance erhalten, sich langsam auf den Ruhestand vorzubereiten. Es scheint aber vor allem ein Kompromiss für eine sozial verträgliche Aufhebung der Altergrenze zu sein, die auch die Interessen der nachfolgenden Generationen berücksichtigt. Solange es eine Bedarfsplanung gibt, die die Zahl der Praxen einschränkt, sollte dem Nachwuchs eine Niederlassung erleichtert werden. Dieser kann sich nun zumindest auf die frei werdenden halben Praxissitze bewerben – eventuell auch auf zwei halbe gleichzeitig. Wie dies dann aber in der Praxis umgesetzt wird, bleibt zunächst abzuwarten.
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