ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2008Randnotiz: Der Fluch der Bilder

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Randnotiz: Der Fluch der Bilder

PP 7, Ausgabe November 2008, Seite 501

Korzilius, Heike

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LNSLNS Der Saal ist in trübes Licht getaucht. Allmählich breitet sich ebensolche Stimmung unter den Teilnehmern aus. Es ist der fünfte Vortrag an diesem Kongresstag und der Redner wild entschlossen, seinen 20-minütigen Vortrag – wie seine Vorgänger – mit einer Power-Point-Präsentation zu entwerten. In schneller Folge wechseln die Informationen. Text, („Das übergehe ich jetzt mal, weil mir die Zeit davonläuft.“), Tabellen („Das werden Sie jetzt so schnell nicht erfassen können. Ich wollte Ihnen aber mal die Komplexität des Themas verdeutlichen.“), Grafiken („Ach herrje, da haben mir meine Mitarbeiter das alte Dia vom vorletzten Orthopädenkongress drin gelassen.“). Letzteres ist kein Einzelfall. Denn Power-Point-Präsentationen eignen sich hervorragend für die Mehrfachverwertung.

Im besten Fall zeigt das erste Bild noch Titel, Datum und Ort des aktuellen Kongresses. Dann folgt gerne der Hinweis: „Ich hoffe, es stört Sie nicht, dass die Präsentation auf Englisch ist.“ Parallel irrlichtert der rote Punkt des Laserpointers über die Projektionsfläche.

Gehetzt versucht derweil der Teilnehmer zuzuhören, schnell zu lesen und im Halbdunkel mitzuschreiben. Denn nur der blutige Kongressanfänger fällt auf den Hinweis der Organisatoren herein, dass alle Vorträge auf Speichersticks oder im Internet bereitgestellt werden.

Das geht erstens meist nicht so schnell wie versprochen, und zweitens sind Power-Point-Präsentationen ohne das gesprochene Wort völlig unverständlich. Dem zermürbten Auditorium fehlt die Kraft für massiven Protest. Es träumt längst von alten Zeiten, als das gesprochene Wort noch etwas galt in der Welt der Wissenschaft.
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