ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2008Studie mit Vitamin E und Selen gestoppt

AKTUELL: Akut

Studie mit Vitamin E und Selen gestoppt

Dtsch Arztebl 2008; 105(46): A-2430 / B-2070 / C-2006

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Erneut hat eine Studie zu Vitaminen (oder Spurenelementen) nicht das erhoffte Resultat ergeben. Das US-National Cancer Institute (NCI) gab jetzt bekannt, dass die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) vorzeitig beendet wird. Einer Zwischenauswertung zufolge schützt Vitamin E und/oder Selen ältere Männer nicht vor einem Prostatakarzinom. Unter der Gabe von Vitamin E war das Malignomrisiko sogar tendenziell erhöht, und im Selen-Arm der Studie stieg die Zahl der Diabeteserkrankungen. Die Ergebnisse sollen demnächst publiziert werden

An SELECT hatten unter der Leitung der Southwest Oncology Group (SWOG) seit 2001 an mehr als 400 Orten in den USA, Puerto Rico und Kanada rund 35 000 Männer im Alter ab 50 Jahren teilgenommen. Sie waren auf vier Studienarme randomisiert worden, in denen sie mit 400 mg Vitamin E oder 200 µg Selen oder beiden Präparaten oder mit Placebo behandelt wurden. Eine im September vorgenommene Zwischenauswertung von SELECT ergab, dass weder Selen noch Vitamin E noch beide Substanzen kombiniert das Risiko auf ein Prostatakarzinom signifikant senken. Dieser Nullbefund allein hätte vermutlich nicht zum Abbruch geführt.

Fehlende präventive Wirkung
Es zeigten sich aber zwei beunruhigende Trends: Im Studienarm mit der alleinigen Vitamin-E-Gabe kam es zu einem leichten Anstieg der Erkrankungen an Prostatakrebs, und im Studienarm mit der alleinigen Selen-Gabe stieg die Zahl der Diabeteserkrankungen. Beide Trends könnten durchaus ein Zufallsergebnis gewesen sein, schreibt das NCI, aber in Kombination mit den fehlenden Hinweisen auf die erhoffte präventive Wirkung riet das unabhängige Data and Safety Monitoring Committee dazu, die Studie zu beenden.

Nach anderthalb Monaten Bedenkzeit wurden die Teilnehmer der Studie vom NCI benachrichtigt und gebeten, keine weiteren Vitamintabletten einzunehmen. Auf Wunsch können sie weiterhin Finasterid erhalten, das in einer früheren SWOG-Studie von 2003 die Rate der Prostatakrebsfälle um 25 Prozent gesenkt hatte. Wegen der gleichzeitig beobachteten erhöhten Rate von High-Grade-Tumoren hat sich diese Therapie jedoch nicht allgemein durchgesetzt. Um die möglichen Risiken von Selen und Vitamin E besser beurteilen zu können, will das NCI die Teilnehmer der SELECT-Studie auch nach dem Abbruch der Therapie noch drei weitere Jahre beobachten. rme
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #97143
michelvoss
am Sonntag, 30. März 2014, 22:02

200 µg Selen war zu viel.

http://www.biokrebs.de/aerzte-informtionen/dzo-news/91-orthomolekulare-medizin/311-select-studie-bedenken-zur-empfehlung-von-vit-e-und-selen-ungerechtfertigt
USA ist - im Gegensatz zu D - kein Selen-Mangelgebiet, s. S. 520: http://journals.cambridge.org/download.php?file=%2FBJN%2FBJN85_05%2FS0007114501000782a.pdf
Ergebnis der dreijährigen SELECT-Nach-Beobachtung: http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1104493#CONCLUSION

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema