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Es ist sehr zu begrüßen, dass nun auch im deutschen Sprachraum Interessenkonflikte im ärztlichen Alltag bei Publikationen unter anderem zur Sprache gebracht werden. Ich bin nicht einverstanden mit den Aussagen der beiden Autoren, dass viele dieser Konflikte unvermeidbar wären. Dazu zwei Beispiele:

1. Die Erforschung der Wirksamkeit neuer Medikamente (Phase III) muss nicht zwangsläufig unter Aufsicht und Einflussnahme des entsprechenden Herstellers stattfinden. Dean Baker, ein US-amerikanischer Ökonom, schlägt vor, klinische Studien nur noch im öffentlichen Auftrag durchzuführen. Vorteile wären die Transparenz, weniger Vergeudung von Ressourcen durch offensichtlich nutzlose Studien, die keine Verbesserung der Standardtherapie erwarten lassen, und Unabhängigkeit der Forscher von der pharmazeutischen Industrie. Überlegungen zur Finanzierung: Senkung des Preises für verschreibungspflichtige Medikamente um 40 Prozent, was ausreichte, um die klinischen Studien im öffentlichen Auftrag zu bezahlen. Einzelheiten können unter www.cepr.net nachgelesen werden.

2. Wenn Baethge einen unvermeidlichen Interessenkonflikt durch die Anwendung des ärztlichen Vergütungssystems sieht (Ausdehnung der Leistungserbringung ohne hinreichende Indikation – mit hohem Nutzen für den Arzt und geringem für den Patienten) – ich sehe diesen Konflikt auch – und dies in eine Reihe mit anderen „unvermeidlichen“ Interessenkonflikten stellt, dann ist zu entgegnen, dass möglicherweise das ärztliche Vergütungssystem auf den Prüfstand gehört, um solche Interessenkonflikte zu reduzieren.

Ich stimme Klemperer zu, dass es neben den finanziellen Einflüssen auch andere gibt, die das ärztliche Urteilsvermögen beeinträchtigen können. Das soll aber doch wohl nicht heißen, dass wir wegen dieser Unübersichtlichkeit der möglichen Verstrickungen gar nicht anfangen, die Dinge zum Nutzen der Patienten zu ändern. Es ist wichtig, dass wir Ärzte lernen, die Interessenkonflikte bei der Aneignung von medizinischen Erkenntnissen zu berücksichtigen. Langfristig sollten wir überlegen, wie Strukturen geschaffen werden können, die Interessenkonflikte minimieren helfen . . .

Literatur bei dem Verfasser
Thomas Lindner, Marwitzer Straße 91,
16761 Hennigsdorf
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