ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2008Kassenärzte: Für und wider
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Herrn Kollegen Roscher graust es zu Recht vor neuen Verträgen, wie dem neuen AOK-Hausarztvertrag, der „Paragrafen in Hülle und Fülle, zeitraubende Vertragsschulungen und andere Scheußlichkeiten“ bringe. Das geringe Honorarplus rechne sich nicht, es sei denn, man begnüge sich mit Honoraren in der Größenordnung von Mindestlöhnen . . . Roscher hat, jenseits seines 60. Geburtstags, die Kassenzulassung zum 1. Juli zurückgegeben und ist seitdem nur noch als Privatarzt tätig, er wolle nicht mehr als bürokratischer Griffelspitzer und Mangelverwalter seine Zeit vergeuden, sondern kranken Menschen helfen. Wie viele letztendlich sein Angebot annehmen, sich privat (zum einfachen GOÄ-Satz) behandeln zu lassen, wird im Wesentlichen davon abhängen, ob die Krankenkassen Kostenerstattung gewährten. Wenn man derartiges tut, sollte man sich aber vorher klarmachen, dass der einfache Satz für eine Beratung (Ziffer 1) gerade mal 4,66 Euro bringt, dafür darf man dann bis zu neun Minuten beraten. Dauert’s länger, kann man die Ziffer 3 ansetzen, die bringt dann 8,74 Euro selbst dann, wenn man 20 Minuten oder länger berät. Der Hausbesuch nach Ziffer 50 bringt, inklusive Beratung und sympt. Untersuchung, 18,65 Euro, die Akupunktur von 30 Minuten 20,40 Euro. Das heißt tatsächlich „kleinere Brötchen backen“. Stellen Sie sich vor, eine Patientin holt nur ein Rezept im Quartal ab (Ziffer 2 = 1,75 Euro), sonst geschieht nichts. Dies bringt dann keine 35 oder 80 Euro als Verdünnerschein (GKV), sondern erzeugt einen Verlust, denn alleine die Rechnungslegung und Eingangskontrolle verschlingt – betriebswirtschaftlich gerechnet – etwa fünf bis zehn Euro. Zehn bis 35 Prozent der Patienten werden zudem nach meiner Schätzung die Rechnungen erst mal nicht bezahlen, weil sie es als GKV-Versicherte nicht gewohnt sind und zunächst die Antwort ihrer Kasse abwarten wollen. Fünf bis zehn Prozent werden inzwischen verzogen sein, die Rechnung kommt zurück. Klar, Griffelspitzer will niemand sein, man wird dann aber dazu, und zwar mit allem Drum und Dran . . .
Dr. med. Dieter Wettig, Erlkönigweg 8,
65199 Wiesbaden-Dotzheim
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