ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2008Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitätsSyndrom: Mit Methylphenidat Chance auf Integration

PHARMA

Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitätsSyndrom: Mit Methylphenidat Chance auf Integration

Dtsch Arztebl 2008; 105(46): A-2478

Blaeser-Kiel, Gabriele

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Retardpräparat mit bis zu 12-stündiger Wirkdauer passt in den Tagesablauf der Betroffenen.

Die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) darf kein Schnellschuss sein. Bei unzureichender Diagnostik ist es ebenso inadäquat, psychotherapeutisch zu behandeln, wie es inadäquat ist, pharmakologisch zu behandeln“, wehrte sich Prof. Andreas Warnke (Würzburg) gegen die einseitige Kritik an der Pharmakotherapie von Kindern mit einer ADHS. Gerade bei diesem Krankheitsbild sei der rechtzeitige Einsatz eines Psychopharmakons die effektivste Maßnahme.

Mittel der ersten Wahl – weil am wirksamsten (auch im direkten Vergleich) – sei für ihn Methylphenidat. Diese Substanz sei so gut untersucht wie kein anderes Medikament im Kindes- und Jugendalter. Bei den jahrzehntelangen Erfahrungen mit mehreren Millionen Patienten habe sich bisher keine gefährliche Nebenwirkung gezeigt.

Als einen erheblichen Fortschritt bezeichneten ADHS-Experten bei einer Diskussionsrunde die Retardpräparate. Denn die Wirkung von originärem Methylphenidat halte nur drei bis vier Stunden an. Das könnte unter Umständen bedeuten, dass bereits um elf Uhr eine zweite Dosis erforderlich sei, um einen Schultag zu überstehen. Diese unterbleibe nach Erfahrung von Dr. Oliver Bilke (Berlin) häufig – entweder aus Vergesslichkeit oder aus Scham (Stigmatisierung). Wenn man mit nur einer einmal täglichen Einnahme am Morgen einen großen Teil des Tages abdecken könne, dann ließen sich auch die kritischen Nachmittagsstunden bewältigen. Das entspanne die Familiensituation und fördere die soziale Integration des Kindes.

Die Mehrzahl der Methylphenidat-Retardpräparate wirkt über sechs bis acht Stunden. Nur bei Einsatz von Concerta® lässt sich dank einer besonderen Galenik eine kontinuierliche Wirksamkeit von zwölf Stunden erreichen. Die OROS®-Technologie sorgt sowohl für einen schnellen Wirkeintritt als auch für stabile Plasmaspiegel im therapeutischen Bereich über den ganzen Tag.

Für OROS-Methylphenidat spreche nach Auffassung von Warnke nicht nur der zuverlässige symptomatische Effekt, sondern auch der günstige Einfluss auf die Lebensqualität. Er zitierte die Ergebnisse einer Untersuchung unter Alltagsbedingungen mit 296 AHDS-Patienten im Alter zwischen sechs und 18 Jahren, die medizinisch indiziert von einem kurz wirksamen Methylphenidat-Präparat auf Concerta umgestellt worden waren.

Beim abschließenden Kontrolltermin nach zwölfwöchiger Behandlung konnte mithilfe des „Inventars zur Lebensqualität“ gleichermaßen bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen wie auch bei den Eltern eine statistisch signifikante (p < 0,00001) Zunahme der Lebensqualität dokumentiert werden (Hargarter L et al.: European Psychiatry 2007; 22 (S1): 253).
Gabriele Blaeser-Kiel

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