ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2008Rückgang der postmenopausalen Hormonverordnungen und der Brustkrebsinzidenz – Ein epidemiologischer Diskurs: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Rückgang der postmenopausalen Hormonverordnungen und der Brustkrebsinzidenz – Ein epidemiologischer Diskurs: Schlusswort

Decline in Hormone Replacement Prescription and Fall in Breast Cancer Incidence – An Epidemiologic Discussion: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(46): 808; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0808b

Stang, Andreas

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LNSLNS Ich kann mich der Ansicht von Herrn Kollege Neumann anschließen, dass eine noch umfassendere Betrachtung der Einflussfaktoren auf die Brustkrebsinzidenz wünschenswert wäre. Allerdings wird hier etwas gefordert, was weltweit nicht existiert: eine Krebsregistrierung, die neben der Erfassung der Basisvariablen auch noch die genannten Risikofaktoren erfasst. Eine solche Erfassung würde alleine noch nicht genügen. Auch müsste zur Beurteilung der Bedeutung dieser genannten Faktoren die regelmäßige Erfassung dieser Faktoren auch bei nicht erkrankten Frauen erfolgen. Ein unbezahlbares Unterfangen, fürchte ich.

Zu dem Argument der Übertragbarkeit von US-Daten auf andere Populationen ist festzustellen, dass, wie in meinem Artikel erwähnt, erste deutsche Analysen (Schleswig-Holstein) einen vergleichbaren Inzidenzrückgang sowie Rückgang der HRT-Verordnungen zeigen (1).

Epidemiologisch wurden bei der Brustkrebsinzidenz bisher so deutliche und plötzliche Rückgänge nicht beobachtet. Die von Herrn Neumann erwähnten Faktoren (Körpergewicht, Menarchenalter, Kinderzahl, Stilldauer, Alkoholkonsum, Menopausenalter) haben sich zwar über die Zeit geändert. Alle genannten Faktoren ändern sich jedoch nicht plötzlich und stark, sodass der plötzliche Inzidenzrückgang hiermit nicht erklärt werden kann. Die wichtigste alternative Erklärung ist das Registrierartefakt von Krebsregistern, welches in dem Artikel detailliert diskutiert wird.

Herr Neumann kritisiert, dass die landesüblichen Substanzen für die HRT-Verordnung sich deutlich von den USA unterscheiden. Diese Kritik ist unverständlich, da dieser Sachverhalt klar von mir angesprochen wird. Warum sind Epidemiologen von dem plötzlichen Rückgang der Inzidenz so beeindruckt? Weil es in den letzten 30 Jahren zu einem stetigen, scheinbar unaufhaltbaren Anstieg der Brustkrebsinzidenz gekommen ist und alle Präventionsmaßnahmen diesen Anstieg nicht anhalten konnten.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0808b


Prof. Dr. med. Andreas Stang
Sektion Klinische Epidemiologie
Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik
Medizinische Fakultät
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Magdeburger Straße 8
06097 Halle


Interessenkonflikt
Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Katalinic A, Rawal R: Decline in breast cancer incidence after decrease in utilisation of hormone replacement therapy. Breast Cancer Res Treat 2008; 107: 427–30. MEDLINE
1. Katalinic A, Rawal R: Decline in breast cancer incidence after decrease in utilisation of hormone replacement therapy. Breast Cancer Res Treat 2008; 107: 427–30. MEDLINE

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