ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 4/2008Geldanlage: Optimale Strategien bei schwankendem Zins

Supplement: PRAXiS

Geldanlage: Optimale Strategien bei schwankendem Zins

Dtsch Arztebl 2008; 105(46): [24]

Jobst, Peter

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture-alliance
Foto: picture-alliance
Kaum eine Woche vergeht, in der nicht neue „Zinsschnäppchen“ für Tages- und Festgelder angeboten werden. Langfristige Strategien sind damit aber kaum realisierbar. Auch bei Anleihen lohnt sich selektives Timing.

Der europäische Rentenmarkt ist derzeit von besonders heftigen Schwankungen geprägt: Lag die durchschnittliche Umlaufrendite im Herbst 2005 noch bei weniger als drei Prozent, so kletterte der Zins bis Mitte 2007 bereits auf rund 4,8 Prozent. Dem schloss sich – ausgelöst durch die internationale Finanzkrise und die umfassenden Stützungsmaßnahmen der Notenbanken – ein Rückgang auf 3,8 Prozent an, bevor es im Frühjahr 2008 zu einem neuerlichen Anstieg kam. Aber auch der war nicht von langer Dauer, und heute bringen öffentliche Anleihen im Durchschnitt wieder rund 3,6 Prozent.

Für den Anleger sind damit vorrangig zwei Probleme verbunden:

- Wer bereits engagiert ist, erlebt in seinem Depot heftige Kursschwankungen. So gab die Notierung der fünfprozentigen Bundesanleihe mit Laufzeit bis zum Jahr 2012 zwischen 2005 und 2007 von 113 Prozent auf 101 Prozent nach, was einem Verlust von rund zehn Prozent entspricht. Noch größer fielen die Verluste bei Langläufern aus. Die 5,625-prozentige Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2028 brach von mehr als 133 Prozent auf nur noch rund 110 Prozent ein – mithin um mehr als 17 Prozent. Problematisch sind diese Kursschwankungen insbesondere dann, wenn sich der Anleger nach einem Zinsanstieg vorzeitig von seinen Papieren trennen will – oder muss. Lediglich wer engagiert bleibt, erleidet „nur“ einen Buchverlust, der jedoch angesichts der Entwicklung etwa bei den Festgeldzinsen nicht weniger schmerzlich ist.

- Wer neu einsteigen will, hat es angesichts der vergleichsweise heftigen Zinsschwankungen nicht leicht, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Denn schließlich spielt es – über die Gesamtlaufzeit betrachtet – eine erhebliche Rolle, ob die Anleihe nun eine Rendite von fast fünf Prozent abwirft oder ob sich der Anleger mit mageren 3,5 Prozent begnügen muss – die noch dazu von der Abgeltungsteuer auf ein Niveau reduziert werden, das kaum die aktuelle Inflationsrate abdeckt.

Die Kernfrage gilt daher jetzt der möglichen weiteren Zinsentwicklung. Für zumindest mittelfristig steigenden Zins spricht derzeit insbesondere die Entwicklung der Inflationsrate. Zwar hat sich die Lage bei den Rohstoffpreisen inzwischen deutlich beruhigt, dennoch verharrt die Inflationsrate in der Eurozone immer noch auf hohem Niveau. Erprobtes Mittel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist jedoch der Dreh an der Zinsschraube, mit der sich die Geldentwertungsrate deutlich reduzieren lässt. Dem stehen jedoch die zunehmend schwache Konjunkturentwicklung, aber auch die nach wie vor akuten Probleme aus der Subprime-Krise gegenüber. Knappes Geld würde die Lage nur verschärfen. Die EZB muss also eine Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunktursicherung unternehmen – eine schwierige Aufgabe. Auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, angefangen von den Unsicherheiten beim US-Dollar bis hin zur Entwicklung des Exports.

Per saldo spricht derzeit vieles für einen eher moderaten Zinsanstieg in den kommenden drei bis vier Jahren. Die Rendite sollte sich im kurzfristigen Laufzeitbereich in der Region um vier bis 4,4 Prozent einpendeln. Auch im Langfristbereich wird zwar kaum mit einem schnellen Anstieg über die 5-Prozent-Marke gerechnet, allerdings könnten die Zinsen mittelfristig dieses Niveau durchaus erreichen. Denn eines erscheint sicher: Die Niedrigzinsphase, wie wir sie vor allem in den Jahren 2003 bis 2005 erlebt haben, ist erst einmal vorbei. Mittelfristig ist mit höheren Zinsen zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund sollten Anleger weiterhin eher vorsichtig disponieren. Bei Renditen im Bereich von rund vier Prozent sind Anleihen mit bis zu fünf Jahren Laufzeit zweifellos eine solide Anlage – immer vorausgesetzt, das Geld wird zumindest in absehbarer Zeit nicht benötigt. Im mittleren Laufzeitbereich übersteigen indes die Risiken die Ertragschancen, sodass dieses Segment eine sehr untergeordnete Rolle spielen sollte. In verstärktem Maß gilt dies bei Langläufern. Hier ist die Zeit für den Einstieg vorerst noch nicht gekommen, vielmehr sollte der Zins erst die langjährige Durchschnittsmarke von fünf Prozent nachhaltig übersteigen.

Überlegenswert kann es in diesem Zusammenhang sein, das Geld zunächst zum Beispiel als Festgeld zu parken: In der Finanzbranche herrscht derzeit ein extrem harter Wettbewerb und die Institute überbieten sich mit schöner Regelmäßigkeit bei den Zinsen – insbesondere für Neukunden. Hier sollten Anleger allerdings darauf achten, dass ihr Geld hinreichend durch die Einlagensicherung geschützt ist und dass die Offerte zumindest für einen längeren Zeitraum gilt. Lohnend ist auch eine realistische Kalkulation: Während bei Anlagesummen von zum Beispiel 200 000 Euro jedes Zehntelprozent Zinsdifferenz einen spürbaren Betrag ergibt, spielt es etwa bei 5 000 Euro kaum eine Rolle, ob das Geld nun zu vier Prozent oder 4,1 Prozent angelegt wird: Selbst auf ein Jahr bezogen liegt der Zinsunterschied nur bei fünf Euro, sodass sich ein aufwendiger Bankenwechsel kaum lohnt.

Durchaus lohnend kann indes die Suche nach Anlagealternativen sein. Als Depotbeimischung eignen sich derzeit vor allem Unternehmensanleihen von Firmen mit erstklassiger Bonität, die durchaus zwischen sechs und mehr als sieben Prozent abwerfen. Nach dem Kursverfall bei Aktien kann es aber auch interessant sein, den einen oder anderen dividendenstarken Wert mit in das Depot zu nehmen. Denn hier winken neben einer hohen Dividendenrendite auch noch Vorteile bei der Abgeltungsteuer: Kursgewinne mit den noch 2008 gekauften Papiere bleiben langfristig steuerfrei. Peter Jobst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema