ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Randnotiz: Simons Doppelgesicht
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LNSLNS Beim anstehenden Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) soll wie fast jedes Jahr der Hermann-Simon-Preis verliehen werden. Den gibt es seit 35 Jahren, seit zehn Jahren wird er von der Firma Lundbeck, die der Neurologie verbunden ist, gesponsert. Preisträger sind namhafte Wissenschaftler. So auch in diesem Jahr.

Hermann Simon, der Namensgeber, lebte von 1867 bis 1947 und war ein Wegbereiter der Arbeitstherapie für chronisch psychisch Kranke. Die Anstalten in Warstein und Gütersloh wurden von ihm geprägt – ein Reformpsychiater mit vielen Verdiensten, dessen Schaffen bis heute nachwirkt. Diese Seite Simons wird mit der Preisausschreibung gebührend gewürdigt.

Was fehlt, ist die andere Seite, die des überzeugten Sozialdarwinisten, des Verfechters eugenischer Maßnahmen, des Psychiaters, der empfahl, „nicht so viel sentimentales Geschwätz darum zu machen, wenn Menschen, denen keine Hoffnung mehr blüht, das Dasein tapfer von sich werfen“, der „die Konservierung des Schwachen und Minderwertigen um jeden Preis“ für widersinnig hielt. Solche Auffassungen passten perfekt zur NS-Rassenideologie. Simon begrüßte denn auch 1933 „unseren ehrlichen Hitler“, betrieb die Gleichschaltung der Gesellschaft für Rassenhygiene und befürwortete die Zwangssterilisation.

DGPPN, Preiskuratorium und Sponsor, die das Problem Simon, wie es heißt, nicht auf die leichte Schulter nehmen, sollten Preisträger und Öffentlichkeit über die Doppelgesichtigkeit des Namensgebers aufklären, wenn sie schon nicht den Preis umbenennen wollen oder können.
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