ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Azithromycin: Erfahrungen mit Drei-Tage-Therapie

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Azithromycin: Erfahrungen mit Drei-Tage-Therapie

Dtsch Arztebl 1996; 93(9): A-555 / B-454 / C-426

Petersen, Ursula

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LNSLNS Der Vorteil von Azithromycin gegenüber anderen Makroliden liegt vor allem in dem kurzen Behandlungszeitraum. Das Novum bei dieser Substanz sind lang-anhaltende Gewebekonzentrationen. Nach einer dreitägigen Therapie lassen sich noch zirka sieben Tage spä-ter wirksame Spiegel im Gewebe nachweisen, wenn im Serum keine entsprechenden Konzentrationen mehr nachzuweisen sind.
Ein gutes Jahr Erfahrung mit dem Makrolid Azithromycin als Drei-Tage-Therapie bei Atemwegsinfektionen war der Anlaß eines Symposiums in Köln. Die Effektivität und die hohe Eradikation von Keimen durch Azithromycin (Zithromax®, Mack, Pfizer, Bayer) sind ausreichend belegt, ebenso wie das breite Wirkspektrum auf Bakterien und Viren, gramnegative und grampositive Keime und die extra- wie intrazelluläre Wirkung der Substanz. Azithromycin, so Prof. R. Stahlmann (Berlin), wird vor allem in den Zellen angereichert und von dort langsam freigesetzt. Die Substanz unterscheidet sich von den anderen Makroliden damit weniger in der Wirksamkeit als vielmehr durch die kurze Dosierungszeit und die lange Halbwertszeit. In bezug auf unerwünschte Wirkungen, so Stahlmann, gab es bei mehr als 30 Millionen Menschen, die inzwischen mit Azithromycin behandelt wurden, keine ernsthaften Nebenwirkungen. Vor allem diejenigen im gastrointestinalen Bereich sind weniger auffallend als bei anderen Makroliden. Der Pneumologe Prof. H. Lode (Berlin) sieht die Makrolide in der Behandlung von Atemwegsinfektionen, Otitis media, Haut- und Weichteilinfektionen inzwischen als Mittel der ersten Wahl. Ausnahme sind die Streptokokken-bedingte Tonsillitis und Pharyngitis. Studien mit Azithromycin zeigen hohe Erfolgsraten von mehr als 90 Prozent. In einer Reihe von Vergleichsstudien, in denen drei Tage Azithromycin versus Roxithromycin oder Clarithromycin über zehn oder sieben Tage verabreicht wurde, lag der klinische Erfolg bei allen Substanzen bei mehr als 90 Prozent. Die mit Azithromycin Behandelten hatten in der Regel weniger "Krankentage", waren somit wieder schneller am Arbeitsplatz. Es gab bei den mit Azithromycin Behandelten keine Versager. Die Drei-Tage-Therapie, darauf wies Lode besonders hin, sei kein Dogma. Bei schweren Pneumonien oder bei einer chronischen Sinusitis kann mit 250 mg/die auch über einen längeren Zeitraum therapiert werden.
Klinische Ergebnisse und Erfahrungen in der niedergelassenen Praxis bestätigen die guten Erfolge mit Azithromycin. Bei der Behandlung von Kindern, so Prof. D. Hofmann (Frankfurt), ist der Behandlungserfolg stark abhängig von der Compliance. Hofmann sieht zwar das Penicillin immer noch als Goldstandard, aber durch die Mehrfacheinnahme ergibt sich ein Compliance-Problem. So bietet sich alternativ bei Kindern der Einsatz von Azithromycin an. Die Substanz zeigt im Vergleich mit Penicillin die gleiche Wirksamkeit, mindestens die gleiche Verträglichkeit, keine Nebenwirkungen und eine bessere Compliance. Lode resümierte zum Abschluß: Azithromycin ist wie die anderen Makrolide gut wirksam mit dem Vorteil, daß mit dieser Substanz ein wichtiger Schritt in Richtung Kurzzeittherapie erfolgt. Ursula Petersen
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