ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Die degenerative lumbale Spinalkanalstenose – Aktuelle Strategien in Diagnostik und Therapie: Interdisziplinäres Diagnostiksystem

MEDIZIN: Diskussion

Die degenerative lumbale Spinalkanalstenose – Aktuelle Strategien in Diagnostik und Therapie: Interdisziplinäres Diagnostiksystem

Degenerative Lumbar Spinal Stenosis – Current Strategies in Diagnosis: Interdisciplinary Diagnostic System

Dtsch Arztebl 2008; 105(47): 823; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0823b

Engel, Kerstin; Seidel, Wolfram

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LNSLNS Übereinstimmung mit den Autoren besteht dahingehend, dass ein multimodales Therapiekonzept erforderlich ist. Die Symptomatik der lumbalen Spinalkanalstenose ist multifaktoriell bedingt. Um gezielt und befundgerecht behandeln zu können, ist ein standardisiertes interdisziplinäres Diagnostiksetting wie zum Beispiel das Sommerfelder Diagnostiksystem (1, 2) notwendig. Es werden funktionelle, morphologische und psychosoziale Faktoren untersucht und in ihrem anteiligen Einfluss auf das aktuelle Krankheitsgeschehen bewertet. Nur so ist bei multifaktorieller Genese eine klare Indikationsstellung für Inhalte einer Komplexbehandlung unter anderem auch für die operativen Verfahren möglich.

Ein Grundprinzip der nicht operativen Behandlung besteht in der Verminderung der lumbalen Lordose. Dieses Prinzip wird erwähnt, aber im vorgestellten Algorithmus außer Acht gelassen. „Gegebenenfalls Krankengymnastik“ entspricht nicht ihrer tatsächlichen Bedeutung. Die insuffiziente muskuläre Stabilisierung der Lendenwirbelsäule (Tiefenstabilisation) ist ein entscheidender pathogenetischer Faktor für die Symptomatik der LSS. Ziel der Therapie muss daher die Verbesserung der Tiefenstabilisation bezüglich ihrer Aktivierung, Ausdauer und Kraftentwicklung sein. Dazu werden neurophysiologische Krankengymnastiktechniken, trainingstherapeutische Inhalte und gezielte Eigenübungsprogramme eingesetzt. Im zweiten Schritt ist das Training von Alltagsaktivitäten erforderlich.

Begleitende Schmerzmedikation sollte mechanismenbezogen erfolgen – Antiphlogistika wegen ihrer abschwellenden Wirkung, Analgetika zur Minderung von Myalgien (Reduktion schmerzreflektorischer Hemmung der Muskelaktivierung), entsprechende Medikation bei neuropathischer Schmerzkomponente, Reagieren auf Schmerzexazerbationen.

Auch interventionelle (3) und chirurgische Verfahren sollten der muskulären Stabilisierung sowie der Vermeidung schmerzbedingter Einschränkung der Belastbarkeit und Gehstrecke dienen.

Wird dieser Ansatz mit Kontinuität verfolgt, ist immer wieder erstaunlich, welches Maß an Kompensation selbst bei ausgeprägten degenerativ bedingten Einengungen des lumbalen Spinalkanals der menschliche Körper besitzt. Daher sollte auch bei gravierender Symptomatik stets zunächst ein intensiver nicht operativer Therapieversuch erfolgen (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0823b

Dr. med. Kerstin Engel
Dr. med. Wolfram Seidel
Sana Kliniken Sommerfeld
Klinik für Manuelle Medizin
Fachkrankenhaus für nichtoperative Orthopädie
und Schmerzmedizin
16766 Kremmen
E-Mail: k.engel@sana-hu.de
1.
Niemier K, Seidel W, Ritz W, Pioch E, Werin A: Introduction and Evaluation of a Multiprofessional Assessment System for the Differential Diagnosis of Chronic Musculoskeletal Pain Syndromes. JOM 2005; 27: 71–80.
2.
Niemier K, Ritz W, Seidel W : Funktionelle muskuloskeletale Diagnostik.. Manuelle Medizin 2007; 45: 123–7.
3.
Theodoridis T, Krämer J, Kleinert H: Konservative Behandlung der lumbalen Spinalkanalstenose – eine Übersicht. Z Orthop Unfall 2008; 146: 75–9 MEDLINE
1. Niemier K, Seidel W, Ritz W, Pioch E, Werin A: Introduction and Evaluation of a Multiprofessional Assessment System for the Differential Diagnosis of Chronic Musculoskeletal Pain Syndromes. JOM 2005; 27: 71–80.
2. Niemier K, Ritz W, Seidel W : Funktionelle muskuloskeletale Diagnostik.. Manuelle Medizin 2007; 45: 123–7.
3. Theodoridis T, Krämer J, Kleinert H: Konservative Behandlung der lumbalen Spinalkanalstenose – eine Übersicht. Z Orthop Unfall 2008; 146: 75–9 MEDLINE

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