ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Von schräg unten „Kostet nichts, taugt auch nichts“

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten „Kostet nichts, taugt auch nichts“

Böhmeke, Thomas

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Es ist das Außergewöhnliche an unserem Beruf, dass unsere Schutzbefohlenen ihr Schicksal in unsere Hand geben und natürlich erwarten, dass wir mit größtmöglicher Sorgfalt vorgehen. Ich pflege bei schwierigen Befunden den fachkundigen Kommentar versierter Kollegen einzuholen, um den Patienten alle denkbare Sicherheit zu bieten. Was mitunter unseren gesetzlich Krankenversicherten schwierig zu vermitteln ist, da der Aufwand, der hierfür betrieben wird, ihnen nicht transparent ist. Vor mir sitzt ein Patient, bei dem ich eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und eine 60-prozentige Stenose der rechten Koronararterie nachgewiesen habe. Es ergibt sich nunmehr die Frage, ob eine koronare Intervention erforderlich ist oder nicht. Ich erläutere ihm, dass meines Erachtens ein konservatives Vorgehen mit strikter Risikofaktorenkontrolle und sportlicher Ausdauerbelastung gerechtfertigt sei. „Herr Doktor, damit kann ich mich nicht zufriedengeben, man hört ja immer wieder, wie ein Arzt mit seiner Einschätzung völlig danebenliegt!“ Ich kann ihn insofern beruhigen, als dass ich den Befund mit meinem Kollegen besprochen habe, der zu dem gleichen Schluss gekommen sei. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!“ Ich entgegne wiederum, dass der Film bereits in einer großen kardiologischen Klinik vorgestellt worden sei und die dortigen Kollegen ebenfalls ein konservatives Vorgehen befürwortet hätten. „Das ist doch nur Ihre Seilschaft, die sagen doch nichts anderes!“ Gut, wenn er möchte, kann ich auch den Film in einer Universitätsklinik vorstellen, damit er eine weitere, neutrale Meinung erhält. „Das ist bestimmt eine, die in den Schlagzeilen steht, das kann ich nicht akzeptieren!“ Ich entgegne ihm, dass ich die Problematik in einer Universitätsklinik seiner Wahl vorstellen könne, auch unter Berücksichtigung aller Zusatzuntersuchungen. „Herr Doktor Böhmeke, händigen Sie mir sofort alle Unterlagen aus, ich werde mich in eine Privatklinik begeben und mich dort gegen Honorar behandeln lassen!“ Ich bin sprachlos. Warum das denn? „Ist doch klar: Was nichts kostet, taugt auch nichts!“

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