ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Hidden Heart: Als Freund und Kollege
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. . . Ich war mit Hamilton Naki befreundet und habe ein Jahr lang mit ihm täglich zusammengearbeitet, im Tierlabor des Groote-Schuur-Hospitals (im J. S. Marais Theatre der Medical School). Mein vorbehaltloser Umgang mit den schwarzen Mitarbeitern wurde damals misstrauisch gesehen. Hamilton war ein manuell sehr geschickter operationstechnischer Assistent, aber auch nicht mehr. Sein beruflicher Werdegang befähigte ihn nicht dazu, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten oder Operationsmethoden eigenständig weiterzuentwickeln. Zu Gefäßnähten wäre er nicht in der Lage gewesen. Dazu war seine Technik zu grob. Ich habe damals, zusammen mit dem jetzigen chirurgischen Chef des Groote-Schuur-Hospitals, Dale Kahn, zahlreiche Lebertransplantationen an Schweinen durchgeführt. Wir haben unter Assistenz von Hamilton Naki (und anderern operationstechnischen Assistenten) jeweils die Lebern zweier Schweine getauscht. Wegen der nicht optimalen Gefäßlänge, wie sie demgegenüber bei einem Transplantat möglich ist, waren die Eingriffe dadurch etwas schwieriger. Hamilton hat sicher jungen Chirurgen die Herztransplantation an Hunden nahebringen können, aber eine humane Herztransplantation hätte er selbst nicht durchführen können. Hier muss der Kredit schon Christiaan Barnard gewährt werden. Es kann auch keine Rede davon sein, dass er später „ausführender Arm seines Chefs gewesen sei, der wegen Rheumas nicht mehr operieren konnte“. Auch wenn die Geschichte eines „genialen autodidaktischen schwarzen Chirurgen“ journalistisch (und politisch) reizvoll wäre: Hier muss man „die Kirche im Dorf lassen“. Hamilton Naki wurde unter der schrecklichen Apartheid Schulausbildung und ärztliche Karriere verwehrt. Er war sehr arm. Dale kaufte ihm einmal ein Paar Schuhe, und ich überließ ihm meine Besitztümer, als ich nach Deutschland zurückging. Er hatte ein großes Herz und wollte in seinem „Homeland“ später eine Schule bauen, um anderen begabten Kindern einen anderen, besseren Lebensweg zu ermöglichen. Erfreulich, dass er das Ende der Apartheid erleben und noch Ehrungen erfahren durfte.
Prof. Dr. med. Stefan von Sommoggy, Klinik für operative und interventionelle Gefäßchirurgie,
Behandlungszentrum Vogtareuth, Schön-Kliniken, Krankenhausstraße 20, 83569 Vogtareuth
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