ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Ärztliche Gutachten: Gemeinsame Sprache

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Ärztliche Gutachten: Gemeinsame Sprache

Dtsch Arztebl 2008; 105(47): A-2530 / B-2150 / C-2072

Zentek, Klaus

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Horst Kater: Das ärztliche Gutachten im sozialgerichtlichen Verfahren. Erich Schmidt, Berlin 2008, 215 Seiten, broschiert, 34,80 Euro
Horst Kater: Das ärztliche Gutachten im sozialgerichtlichen Verfahren. Erich Schmidt, Berlin 2008, 215 Seiten, broschiert, 34,80 Euro
An ausführlichen und umfangreichen Beispielen aus Sozialgerichtsgutachten werden Verständigungsprobleme als Folge unterschiedlicher Denkweisen und Grundüberzeugungen dargelegt. Der Autor, ehemaliger Vorsitzender Richter am Landessozialgericht, zeigt an Fallbeispielen die häufig ungenaue Ausdrucksweise in Form missverständlicher Begriffe, welche sich in den Gutachten befinden und dem Juristen die Rechtsprechung erschweren. Er bringt Beispiele für unvollständige, unschlüssige, unrichtige beziehungsweise widersprüchliche Gutachten, welche beim Richter zu Irritationen in der rechtlichen Entscheidung oder zu Fehlurteilen führen können. Häufig spricht der Mediziner Vermutungen über Erkrankungen aus, die aber für den Juristen keinen Beweis begründen. Die sprachliche Verständigung und ihre Klippen im Gutachten zeigen sich in einer detaillierten Auswahl von mehr als 70 misslungenen Ausdrücken und ihren Deutungen.

Ärztliche Gutachter als Sachverständige werden aufgefordert, sich klar in einer gehobenen Umgangssprache auszudrücken – nicht nur in spezifisch medizinischer Terminologie –, damit die Kommunikation zwischen beiden Fachrichtungen verbessert wird. Dieses Buch wird noch viel Diskussionsstoff in ärztlichen Gutachterkreisen hervorrufen und letztlich sicher zu juristisch besser verwertbaren Gutachten führen, das heißt zu einer Optimierung und Beschleunigung sozialgerichtlicher Verfahren. Immerhin werden in Deutschland allein bei der gesetzlichen Unfallversicherung jährlich mehr als 100 000 Verwaltungsgutachten mit einem Finanzvolumen von 100 Millionen Euro erstellt, unabhängig von den vielen anderen Sachverständigengutachten in sozialgerichtlichen Verfahren.

Fast 100 überwiegend aktuelle Literaturhinweise, in der Mehrzahl aus dem juristischen Bereich, runden dieses lesens- und lobenswerte Buch ab. Möge es bei Juristen und Medizinern, welche mit Gutachten zu tun haben, zu einer gemeinsamen Sprache beitragen und den interdisziplinären Austausch fördern.
Klaus Zentek
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