ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Bamberg: „Ziemlich romantische Stimmung“

KULTUR

Bamberg: „Ziemlich romantische Stimmung“

Traub, Ulrich

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Foto: Picture Alliance/Bildagentur Huber
Foto: Picture Alliance/Bildagentur Huber
Vor 200 Jahren zog E. T. A. Hoffmann ins fränkische Bamberg – eine Stadt, die sich gut dazu eignete, „ein ruhiges Künstlerleben zu führen“, wie er einem Freund schrieb.

Sie ist auf sieben Hügeln erbaut, auf einem thronte die Peterskirche. Der Herrscher, der den Grundstein für die ehemalige Kaiserstadt legte, wollte sie zum Zentrum der christlichen Welt ausbauen. Der Vergleich mit Rom liegt da auf der Hand.

Zu Beginn des elften Jahrhunderts schenkte Heinrich II. den von ihm so geliebten Flecken, das heutige Bamberg, seiner Gattin Kunigunde zur Hochzeit. Damit begann eine fast tausendjährige Geschichte, die in den Mauern der Stadt lebendig geblieben ist. Die UNESCO nahm Bamberg, das Kriege und Krisen nahezu unversehrt überstanden hatte, 1993 in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Dichter, Komponist und Maler: E. T. A. Hoffmann war Musikdirektor am Bamberger Theater. Foto: dpa
Dichter, Komponist und Maler: E. T. A. Hoffmann war Musikdirektor am Bamberger Theater. Foto: dpa
Ende des 18. Jahrhunderts galt die Stadt als Wiege der Romantik. Einer ihrer bekanntesten Bürger ist der Dichter, Komponist und Maler E. T. A. Hoffmann. Von ihm wollen wir uns durch das alte Bamberg führen lassen.

Hoffmann folgt um 1808 einem Ruf als Musikdirektor ans Bamberger Theater. Im Gepäck hat er große Hoffnungen auf ein ersprießliches Künstlerdasein. Der gebürtige Königsberger, den es immer nach Italien gezogen hat, erlebt die Schönheit Bambergs als südländisch. An einen Freund schreibt er: „Komm in das herrliche südliche Deutschland. Überhaupt bin ich mit dem Orte meines Aufenthaltes sehr zufrieden, da er sich ganz dazu eignet, ein ruhiges Künstlerleben zu führen.“

Die Geschichte Bambergs ist von der Kirche geprägt. Sichtbares Zeichen der geistlichen Macht ist die Bischofsstadt, die nur vom Michaelsberg mit dem gleichnamigen Kloster überragt wird. Hoffmann zog es häufig in den viertürmigen Dom. Hier interessierte den Romantiker indes vielmehr die Musik als Gottes Wort. Außerdem trieb er im Dom Studien zur Architektur, die ihm bei der Bemalung des Turms der Altenburg halfen, einem auf den Hügeln Bambergs gelegenen Rückzugsort des Künstlers. Leider sind die Fresken nicht erhalten geblieben.

Hoffmann schafft in Bamberg seinen schriftstellerischen Durchbruch und findet hier seinen ersten Verleger. Um sein schmales Salär aufzubessern, gibt er Gesangsstunden in den Häusern der reichen Bürgerfamilien. Dabei verliebt er sich in die 13-jährige Julia Marc. In der Langen Straße erinnert eine Gedenktafel am Wohnhaus der Geliebten an diese unerfüllte Leidenschaft. Hoffmanns Hochschätzung der fränkischen Damenwelt ist wie manch andere Begebenheit aus den Bamberger Jahren in seine Literatur eingegangen. So hat er dem großen Türknauf in der Eisgrube, der ein feixendes Apfelweib zeigt, in seiner Novelle „Der goldene Topf“ ein Denkmal gesetzt.

Seine Wohnung am heutigen Schillerplatz nennt Hoffmann sein „Poetenstübchen“. Gegenüber liegen seine wichtigsten Wirkungsstätten, das Theater – und das Lokal Theaterrose. Zu seinem liebsten Ausflugslokal führt der Weg durch den Englischen Garten zum Ortsteil Bug, wo er gern einen Bocksbeutel leert. Kein Wunder, dass er auf dem Rückweg glaubt, einem sprechenden Hund begegnet zu sein, der unter dem Namen Berganza eine von Hoffmanns literarischen Titelgestalten wird.
In Begleitung des genialen Künstlers und romantischen Streuners lernt man Bamberg von seiner schönsten Seite kennen. In seinem Tagebuch notierte Hoffmann: „Ziemlich romantische Stimmung.“
Ulli Traub

Information:
Bamberg Tourismus, Geyerswörthstraße 3, 96047 Bamberg, Telefon: 09 51/87 11 61; www.bamberg.info

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