ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Beautiful-Studie: Erhöhte Frequenz steigert das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant

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Beautiful-Studie: Erhöhte Frequenz steigert das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant

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LNSLNS Stabile KHK-Patienten mit Herzinsuffizienz und einer Herzfrequenz über 70 Schlägen pro Minute haben eine bessere Prognose, wenn sie zusätzlich zu einer optimalen leitliniengerechten Therapie den If-Kanalblocker Ivabradin erhalten.

Die Senkung der Herzfrequenz gehört zu den wich-tigsten Therapieprinzipien bei stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK), da sie durch Verringerung des myokardialen Sauerstoffbedarfs antiischämisch wirkt. Betablocker reduzieren die Herzfrequenz zwar effektiv, haben aber den Nachteil, dass sie auch die kardiale Erregungsleitung, die Kontraktilität, die Relaxationsfähigkeit der Gefäße und den Blutdruck beeinflussen.

„Die Suche nach einer isoliert frequenzsenkenden Substanz begann gleichzeitig mit der Einführung der Betablocker“, erinnerte sich Prof. Dr. med. Thomas Meinertz (Hamburg). Durch die bahnbrechende Entdeckung des If-Kanals am Sinusknoten war der Weg frei für die Entwicklung von Ivabradin, mit dem sich der If-Kanal blockieren und damit die diastolische Depolarisation im Sinusknoten verlangsamen lässt.

Senkung der Herzfrequenz
Seit Oktober 2005 ist Ivabradin (Procorolan®) in Europa zur symptomatischen Behandlung der stabilen Angina pectoris zugelassen. Die Substanz hat sich in klinischen Studien bei Patienten mit einer Herzfrequenz von > 60 Schlägen pro Minute – unabhängig von der Begleittherapie – als antianginös und antiischämisch hocheffektiv erwiesen. In der REDUCTION*-Studie sei eine Abnahme der Herzfrequenz unter zweimal täglich 5 mg Ivabradin um zehn Schläge pro Minute mit einer Verminderung von Angina-pectoris-Attacken um 80 Prozent verbunden gewesen, wie Prof. Dr. med. Karl Werdan (Halle) ausführte (2).

Die Belastbarkeit der Patienten ließ sich mit Ivabradin stärker verbessern als mit Atenolol, wie die INITIATIVE**-Studie zeigte (3). Die BEAUTIFUL***-Studie, deren Ergebnisse erstmals auf dem Europäischen Kardiologen-Kongress in München präsentiert wurden, hat diesen Erkenntnisstand erweitert. Denn sie hat zum ersten Mal prospektiv einen prognostischen Nutzen belegt für stabile KHK-Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion und einer Herzfrequenz über 70 Schläge pro Minute.

Randomisiert wurden für die BEAUTIFUL-Studie 10 917 Patienten mit einer Herzfrequenz = 60 Schläge pro Minute. Ivabradin erhielten 5 479 und Placebo 5 438 Teilnehmer. Die Patienten beider Gruppen waren medikamentös hervorragend eingestellt: 94 Prozent erhielten Antithrombotika, 74 Prozent Statine, 87 Prozent Betarezeptorenblocker und 90 Prozent RAS-blockierende Substanzen.

Die placebokontrollierte Studie lief über maximal drei Jahre, wobei die Dosis von Ivabradin nach zwei Wochen von 5 auf 7,5 mg gesteigert wurde. Kardiovaskulärer Tod sowie Hospitalisierung wegen Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz waren als kombinierter primärer Endpunkt vorab festgelegt. Außerdem wurde eine Reihe sekundärer Endpunkte analysiert, unter anderem koronare Revaskularisationen. Die Auswertung aller Endpunkte erfolgte im Gesamtkollektiv und in der präspezifizierten Subgruppe von Patienten mit einer Herzfrequenz von = 70 Schlägen pro Minute, die etwa die Hälfte des Gesamtkollektivs ausmachte.

In der Placebogruppe bestätigte die Studie den engen Zusammenhang zwischen erhöhter Herzfrequenz und kardiovaskulärem Risiko prospektiv. Der kombinierte primäre Endpunkt sowie alle anderen Endpunkte traten in der Gruppe mit einer Herzfrequenz = 70 Schlägen pro Minute signifikant häufiger auf als bei Patienten mit geringerer Herzfrequenz: kardiovaskuläre Todesfälle um 34 Prozent (p = 0,0041), Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz um 53 Prozent (p < 0,0001), Hospitalisierung wegen Myokardinfarkt um 46 Prozent (p = 0,0066) und koronare Revaskularisation um 38 Prozent (p = 0,037).

Weniger Myokardinfarkte
Auf den kombinierten primären Endpunkt sowie auf seine Komponenten hatte die Therapie mit Ivabradin in der Gesamtpopulation keinen signifikanten Einfluss. Im primären Endpunkt zeigte sich auch in der Subgruppe von Patienten mit einer initialen Herzfrequenz = 70 Schläge pro Minute kein signifikanter Unterschied, wohl aber in zwei seiner Komponenten: Ivabradin senkte das Risiko für eine Krankenhausbehandlung wegen Myokardinfarkt signifikant (p = 0,001) um 36 Prozent sowie das Risiko für koronare Revaskularisierungen signifikant (p = 0,016) um 30 Prozent.
Dr. med. Angelika Bischoff

Pressekonferenz zu den BEAUTIFUL-Studienergebnissen, Veranstalter Servier, anlässlich des Kongresses der European Society for Cardiology (ESC).

 *REDUCTION = Reduction of ischemic Events by reDUCtion of heart raTe In the treatment Of Stable Angina with IvabradiNe
 **INITIATIVE = INternatIonal Trial of the AnTianginal Effects of IVabradinE compared to atenolol
***BEAUTIFUL = morBidity-mortaliy EvAluaTion of the IF-Inhibitor Ivabradine in patients with coronary disease and left ventricULar dysfunction.
1.
Fox K et al.: www.thelancet.com: DOI 10.1016/S0140–6736(08)61170–8 und 61171–X.
2.
Werdan et al.: ESC congress 2008, Abstract P1348.
3.
Tardif JC et al.: Heart 2005; 26: 2529–36. MEDLINE
1. Fox K et al.: www.thelancet.com: DOI 10.1016/S0140–6736(08)61170–8 und 61171–X.
2. Werdan et al.: ESC congress 2008, Abstract P1348.
3. Tardif JC et al.: Heart 2005; 26: 2529–36. MEDLINE

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