ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2008Private Kran­ken­ver­siche­rung: Mit eigenen Versorgungsangeboten in den Wettbewerb

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Mit eigenen Versorgungsangeboten in den Wettbewerb

Dtsch Arztebl 2008; 105(47): A-2542 / B-2159 / C-2079

Korzilius, Heike

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Die Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung setzt auf die koordinierte Therapie ihrer Versicherten in eigenen Einrichtungen. Sie will sich damit von Wettbewerbern abgrenzen.

Es ist nicht allein der Preis, der über wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Zumindest nicht nach Ansicht der Deutschen Kran­ken­ver­siche­rung (DKV). Sie will sich gegenüber den Mitbewerbern auf dem Markt der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen mit eigenen Versorgungskonzepten in Stellung bringen. „Es reicht heute nicht mehr aus, als private Kran­ken­ver­siche­rung nur Rechnungen zu erstatten. Wir müssen unseren Versicherten den Service bieten, schnell bei exzellenten Ärzten behandelt zu werden. Eigene Versorgungsangebote sind ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen“, sagt Vorstandsmitglied Dr. Jochen Messemer.

So können sich Versicherte seit August erstmals zu günstigeren Tarifen versichern, wenn sie sich ausschließlich von Ärzten behandeln lassen, die den Netzwerken der DKV angehören. Teil dieses Versorgungskonzepts sind auch die Gesundheitszentren Gomedus, in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen Privatpatienten und Selbstzahlern eine koordinierte Behandlung unter einem Dach anbieten. Die Versicherten erwartet hier zwar kein finanzieller Anreiz, dafür aber ein besserer Service. Auch für die DKV rechne sich das langfristig, meint Messemer, weil die Prävention in dem Konzept einen hohen Stellenwert genieße.

Gerade hat der Konzern, der zur Ergo-Versicherungsgruppe gehört, das dritte Gomedus-Gesundheitszentrum eröffnet. Neben Köln und Düsseldorf gibt es nun auch in Berlin eine Einrichtung, in der 14 Ärzte aus acht Fachbereichen zusammenarbeiten. „In unserem Gesundheitszentrum koordiniert ein einziger Arzt die gesamte Therapie des Patienten“, erklärt Dr. Andreas Kottmeier, Geschäftsführer bei Gomedus Berlin. Im Gegensatz zu vielen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) seien die Ärzte bei Gomedus als selbstständige Unternehmer tätig. Doch ähnlich wie in den meisten MVZ müssen sich auch hier die Ärzte nicht um die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben kümmern. Die erledigt die Betreibergesellschaft.

Für Dr. med. Bernd Brockmeier ist die Tätigkeit in dem Berliner Gesundheitszentrum ein zweites Standbein. Der Neurologe betreibt parallel dazu eine Kassenarztpraxis. „Wir wollen nicht mehr allein in unseren Praxen vor uns hinarbeiten“, spricht er für seine Gomedus-Kollegen. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit habe ich vermisst, nachdem ich vor sechs Jahren meine eigene Praxis eröffnet habe.“ Dazu kommt, dass ihm auch die koordinierte Behandlung der Patienten am Herzen liegt. Denn die Erfahrung lehre, so Brockmeier, dass Privatpatienten seltener einen Hausarzt hätten als gesetzlich Krankenversicherte, der den Überblick über die Therapie wahre und die Fäden in der Hand halte. Immer direkt den jeweiligen Spezialisten aufzusuchen, münde nicht immer in einer aufeinander abgestimmten Behandlung. „Was wir hier machen, ist Patientenbetreuung im altmodischen Sinne“, sagt Brockmeier. Dabei soll die Qualität der Behandlung die Patienten überzeugen. Eine Einschreibepflicht wie in den Hausarztprogrammen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung gibt es nach Auskunft von DKV-Vorstand Messemer nicht.

Gomedus ist eine Tochtergesellschaft der DKV. Neben den Zentren in Köln, Düsseldorf und Berlin plant das Unternehmen neun weitere Standorte in Ballungsgebieten.
Heike Korzilius
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