ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2008Randnotiz: Geplatzter Traum
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LNSLNS Am 19. November 2008 ist es endgültig vorbei. Die Ärztin Cornelia E. gibt es nicht mehr. Die Frau Cornelia E. hat das Amtsgericht Hamburg an jenem Tag unter anderem wegen Urkundenfälschung und Betrug zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Denn E. hat vier Jahre lang als Ärztin gearbeitet, ohne es zu sein. Ein klarer Fall von Hochstapelei oder ein tragisches Schicksal?

Die Frage ist in diesem Fall nicht leicht zu beantworten. „Sie wollte ja nicht jemand sein, der sie nicht war. Sie war eine gute Ärztin, nur zu früh aussortiert vom System“, schreibt die Süddeutsche Zeitung über den Fall. Cornelia E. war am Physikum gescheitert, wurde exmatrikuliert. Sie studierte unbemerkt (und unkontrolliert) weiter, fälschte Zeugnisse und Approbation. In der Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf fiel die vermeintliche Ärztin Vorgesetzten und Eltern durch ihr Engagement und ihre fachliche Kompetenz auf. Es war der Anfang vom Ende, als die Ärztekammer Hamburg die junge Frau im August 2007 ultimativ aufforderte, ihre Approbationsurkunde im Original vorzulegen. Das Lügengebäude stürzte ein.

Natürlich hat Cornelia E. das Vertrauen von Patienten und Kollegen missbraucht. Sie hat gelogen und betrogen. Doch offenbar entsprach ihr Traumberuf ihrer Neigung und ihren Fähigkeiten – was man nicht von allen Berufstätigen sagen kann. Cornelia E. scheiterte an einem Ausbildungssystem, das seine Kandidaten noch immer vorwiegend nach Noten auswählt und dessen Prüfungen wenig mit dem klinischen Alltag zu tun haben. Das soll keine Rechtfertigung sein. Vielleicht regt der Fall E. aber zum Nachdenken an.

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