ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2008Art der Hormongabe beeinflusst Herzinfarktrisiko

AKTUELL: Akut

Art der Hormongabe beeinflusst Herzinfarktrisiko

Dtsch Arztebl 2008; 105(48): A-2552 / B-2168 / C-2086

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Die Applikationsform der Sexualhormone bei einer Hormonersatztherapie (HRT) für Frauen könnte für das Myokardinfarktrisiko von Bedeutung sein: Über ein Pflaster oder vaginal über ein Gel aufgenommene Östrogene senken offenbar das Risiko für einen Herzinfarkt im Vergleich zur oralen Aufnahme von Hormonen. Außerdem ist die kontinuierliche Einnahme von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten mit einem höheren Myokardinfarktrisiko assoziiert als der Wechsel zwischen Östrogenen allein und der Kombination mit Gestagen innerhalb des Einnahmezyklus von vier Wochen.

Nach Angaben der Autoren ist dies die größte Beobachtungsstudie zu kardiovaskulären Risiken der Hormotherapie nach der Women’s Health Initiative Study, die im Jahr 2002 wegen eines leicht, aber signifikant erhöhten Infarktrisikos durch Hormone abgebrochen worden war. Die neue Längsschnittstudie an einer Kohorte von 698 098 Frauen im Alter von 51 bis 69 Jahren stand unter der Federführung von Prof. Dr. med. Ellen Lokkegaard vom Rigshospitalet in Kopenhagen (Eur Heart J 2008; http://eurheartj.oxfordjournals.org/cgi/con tent/abstract/ehn408). Alle Frauen waren zu Beginn des Beobachtungszeitraums (1995 bis 2001) gesund, 26 Prozent nahmen aktuell Hormone ein oder hatten früher welche angewandt.

Gesenktes Risiko bei Pflastern
Im Beobachtungszeitraum traten 4 947 Herzinfarkte auf. Das Risiko für das kardiovaskuläre Ereignis war bei Frauen, die kontinuierlich Östrogen-Gestagen-Kombinationen erhalten hatten, um 35 Prozent höher als bei Frauen, die keine Hormone genommen hatten. Die Monotherapie mit Östrogenen, egal, ob oral oder dermal, war dagegen mit keinem erhöhten Risiko assoziiert. Verwendeten die Frauen allerdings für die Östrogentherapie ein Pflaster, war das Infarktrisiko im Vergleich zu jenen, die keine Hormone nahmen, um 38 Prozent niedriger. Ein ähnlicher Trend war für die vaginale Applikation von Östrogenen erkennbar: Das Herzinfarktrisiko sank im Vergleich zu „Nichtanwenderinnen“ um 44 Prozent.

„Die Studie ist mit 4 947 Herzinfarktereignissen statistisch sicher aussagekräftig, und das Ergebnis lässt vermuten, dass die Applikationsform einer HRT Einfluss auf das Risiko für einen Myokardinfarkt hat“, sagte der Gynäkologe Prof. Dr. med. Kaus Friese (München) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Es müsse nun geklärt werden, welche physiologischen Mechanismen die Ursache für die Beobachtung sein könnten.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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