ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Börsebius zum Känguruh-Zins: Große Sprünge?

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zum Känguruh-Zins: Große Sprünge?

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Als eifriger Leser mehrerer Zeitschriften springt mich doch dieser Tage eine großformatige Anzeige der Commerzbank aus allen möglichen Publikationen an. Mein Geld könne jetzt große Sprünge machen, schreiben die Leute von der "Bank an meiner Seite".
Alle würden vom Niedrigzinsniveau reden, lese ich da. Implizit meinen die wohl, die Menschheit wäre furchtbar betrübt über die mickrige Verzinsung und warte nur auf das Ei des Kolumbus. Siehe da, aus dem Ei schlüpft ein Känguruh, genauer "Extra-3-Plus", der "Känguruh-Zins", nach eigenem Bekunden die attraktive Antwort auf die trostlose Verzinsung meiner Festgelder.
Da bin ich neugierig geworden und will mehr erfahren als das, was in den Zeitungen steht. Ich weiß schon, daß ich Beträge ab 10 000 Mark für drei Jahre anlegen muß und dafür dann meine Zinsen "sprunghaft" wachsen: in kürzester Zeit von zwei auf sechs Prozent. Fabelhaft. Also, ich düse zur Commerzbank und will mir den Prospekt holen, mehr wissen bringt schließlich das reine Geld. Erste Enttäuschung. Es gibt gar keinen Prospekt. Die Anlageberaterin will mir erst mal ein Gespräch aufdrängen. Nein, außer dem Känguruh-Zins interessiert mich im Moment gar nix, aber eben dieses besagte Springwunder doch sehr. "Also bitte", sage ich ihr. "Worum geht’s denn da nun genauer?"
"Also", sagt die freundliche Dame mit einem gewissen traurigen Blick in den Augen, weil sie mir ansonsten nichts verkaufen kann, "im Grunde ist das halt wie ein Sparbrief mit steigenden Zinsen. Als Sparer legen Sie sich drei Jahre fest und erhalten im ersten Jahr zwei Prozent, im zweiten Jahr vier Prozent und im letzten Jahr sechs Prozent Zinsen." "Schön", frage ich sie, "aber was ist denn nun das Besondere an diesem Angebot?" "Na eben, diese sechs Prozent Zinsen im dritten Jahr", hält sie dagegen. "Wo gibt es das denn sonst?"
Just, als ich ihr recht geben will, fällt mir grade noch dazu ein, daß sechs Prozent Zinsen im dritten Jahr zwar ganz gut seien, aber im Prinzip von den zwei Prozent zu Beginn subventioniert würden. Ob ich denn was Besseres wüßte, hält mir die Bankerin entgegen.
Oh ja. Zumindest Vergleichbares, was solcherart Werbung offenbar nicht nötig hat. Der Bundesschatzbrief zum Beispiel fängt mit drei Prozent Zinsen an und kann nach einem Jahr sukzessive ohne Verluste zurückgegeben werden, falls die Zinsen wirklich steigen. Oder aber Sie kaufen die fünf Jahre laufende börsennotierte Stufenzinsanleihe der Westfälischen Hyp (WKN 334972). Die fängt mit vier Prozent Zinsen an und hört bei sechs Prozent auf. Die Commerzbank hält dieses Papier übrigens im Eigenbestand, und daher kostet es noch nicht mal Kaufspesen. Merke also: Versteckte Eier sind zuweilen die wertvollsten.
Börsebius
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