ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2008Jüdische Ärzte: Beeindruckend
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Herzlichen Dank für den beeindruckenden Artikel von Rebecca Schwoch über den Entzug der Approbation von jüdischen Ärzten vor 70 Jahren. Die Zahlen alleine erklären natürlich nicht die dahinter stehenden Schicksale, die die beteiligten Familien und Kollegen häufig direkt in die Gaskammern führten. Die wesentliche Frage, die sich immer wieder stellt: Wie konnte das geschehen? Wie konnte es ohne Kenntnisnahme der damaligen Kollegen passieren, dass 13 Prozent ihrer Berufskollegen (in Großstädten anteilmäßig mehr) ihre Stellung verloren und oft im Zuge der „Bereinigung“ ihre Praxis samt Mobiliar und Wohnung an arische Kollegen verloren. Es stellt sich auch die Frage der Wertigkeit von Gesetzen, denn auch damals wie heute war das kollegiale Verhalten genau definiert. 1935 in der Standes- und Facharztordnung unter Dr. Wagner, Reichsärzteführer, mit nahezu gleichem Text wie heute. Es ist festzustellen, dass bei 87 Prozent der verbliebenen arischen Ärzte nach den §§ 8–10 (ÄO 1935) ein berufsunwürdiges Verhalten vorgelegen haben muss. Diese provozierenden Zahlen belegen das bewusste, deutliche Wegsehen der Ärzteschaft und/oder die große Einbindung in die rassistische, ideologische Weltanschauung der Nazis. Die Nichtaufarbeitung dieses innerärztlichen Problems führte dazu, dass die Ärztekammern nach 1945 bürokratisch so weitergeführt wurden, als sei nichts geschehen, und Massenmörder Ärzteführer und Professoren wurden. Die Ethik unseres Berufsstands erfordert mindestens nach 70 Jahren eine gnadenlose Aufklärung und Entlarvung der Verbrecher in unseren eigenen Reihen.
Prof. Dr. med. Dr. habil. Felix-Rüdiger G. Giebler, Chefarzt der VINCEMUS-KLINIK, Privatklinik für plastische und wiederherstellende Chirurgie,
Am Ostersielzug 7/Brückenstraße 1 a,
25840 Friedrichstadt
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