ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Sparpläne: Angebote für die Altersvorsorge

VARIA: Geldanlage

Sparpläne: Angebote für die Altersvorsorge

Löwe, Armin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die deutschen Fondsgesellschaften drängen verstärkt in den Wachstumsmarkt Altersvorsorge. Drei der fünf größten deutschen Fondsgesellschaften - DIT, DWS und Union - bieten bereits besondere Sparpläne an. Adig und Deka warten offenbar ab, bis die sogenannten Pensions-Sondervermögen als spezieller Fondstyp für die Altersvorsorge ins Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften aufgenommen werden. Wie unterscheiden sich die drei Sparpläne?


Durch das 3. Finanzmarktförderungsgesetz sollen Pensions-Sondervermögen als eine Fondsart sui generis neben den Aktien-, Rentenfonds und offenen Immobilienfonds in das Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) eingeführt werden. Diese Fonds sollen mindestens 51 Prozent des Vermögens in Substanzwerten (Aktien und Immobilien) und maximal 75 Prozent in Aktien und stillen Beteiligungen anlegen. Höchstens 30 Prozent des Fondsvermögens dürfen mit Währungsrisiken behaftet sein.
Vor allem auf Aktien setzen auch drei Fondsgesellschaften mit ihren Sparplänen. Hintergrund des Angebots: Die Aktie bringt im langfristigen Vergleich die beste Rendite. Dies gilt erst recht, wenn man steuerliche Aspekte mit einbezieht. Denn Kursgewinne sind auf lange Sicht steuerfrei, auch wenn die Spekulationssteuerfrist im Rahmen der Steuerreform von derzeit sechs auf neun Monate ausgedehnt werden soll. Diese überlegene Rendite der Aktie soll nach dem Konzept der drei Fondsgesellschaften für die Altersvorsorge genutzt werden. Auf der anderen Seite ist der Einwand richtig, daß Aktien kurzfristig starken Kursschwankungen unterliegen. Solche Kurseinbrüche können für die Altersversorgung fatale Folgen haben, wenn nämlich keine Zeit mehr besteht, die Verluste aufzuholen. Dies ist gegen Ende der Sparzeit der Fall.
Deshalb sehen alle Angebote der Fondsgesellschaften am Ende der Ansparphase eine Umschichtung der Aktienfonds-Anteile in kursstabilere Rentenfonds vor. Diesen Gedanken hat vor Jahren die Graf LambsdorffVermögensverwaltung in ihrem Lebenszyklus-Modell entwickelt und realisiert: Zunächst wird wachstumsorientiert investiert. Wenn sich der Anleger aber dem Rentenalter nähert, wird in den letzten zwei bis vier Jahren sicherheitsbetont umgeschichtet.
Bis zu dieser Umschichtungsphase gleichen die erwähnten Pläne zur Altersvorsorge den altbekannten AktienSparplänen. Jeden Monat wird ein bestimmter Geldbetrag eingezahlt, der in Aktienfonds fließt. Aus diesen wird später unentgeltlich in Rentenfonds umgeschichtet. Sehr frühzeitig beginnt mit dieser Umschichtung der Vorsorgeplan des zur Dresdner Bank-Gruppe gehörenden Deutschen Investment-Trust (DIT), der bereits seit Februar 1996 angeboten wird. Je früher mit der Umschichtung begonnen wird, um so weniger ist das Vermögen den Kursrisiken des Aktienmarkts ausgesetzt.
Beim DIT-Vorsorgeplan werden in der ersten Phase alle Einzahlungen für den Erwerb des europäischen Aktienfonds Industria verwandt (bei zwölfjähriger Laufzeit zum Beispiel sechs Jahre). Bei 15 Jahren Laufzeit beginnt die Umschichtung in den hauseigenen Rentenfonds Eurozins mit dem siebten Jahr, bei den längeren Laufzeiten entsprechend später. Die monatlichen Umtauschbeträge sind so bemessen, daß am Ende der Laufzeit das gesamte Vermögen nur noch aus dem Rentenfonds DIT-Eurozins besteht.
Mit der Umschichtung in Rentenfonds wird beim Sparplan "Quattro:Vorsorge" der Union Investment (Volksbanken und Raiffeisenbanken) unabhängig von der Laufzeit bis zu den letzten vier Jahren gewartet. Möglich sind Sparpläne von zehn bis 25 Jahren. In der sogenannten Aufbauphase fließen die monatlichen Einzahlungen in den UniFonds. In den letzten vier Jahren fließen alle monatlichen Einzahlungen in einen noch nicht genannten Rentenfonds. Zugleich wird der angesammelte Bestand an UniFonds-Anteilen in den Rentenfonds umgeschichtet.
Nur drei Jahre hält dagegen die Deutsche Bank-Tochter Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen bei ihrer "DWS-Investmentrente" als Sicherungsphase für erforderlich. Das Ausmaß der Umschichtung wird von der Kursentwicklung in den letzten drei Jahren abhängig gemacht. In Jahren mit einem starken Kursanstieg wird mehr umgeschichtet als in Jahren mit stagnierenden oder nachgebenden Kursen. Drei Jahre erscheinen der Fondsgesellschaft ausreichend, weil es mehr als drei Jahre mit nachgebenden Kursen kaum gibt und auf der anderen Seite die Dynamik der Aktienanlage möglichst lange genutzt werden soll.
Allerdings bietet DWS dem einzelnen Sparer die Möglichkeit, selbst noch ein zusätzliches zeitliches Sicherheitspolster einzubauen. Es wird nicht automatisch glattgestellt; ein Sparer kann auch den gesamten Bestand an Aktienfonds behalten, weitere Jahre stehenlassen und nach eigenem Ermessen in Rentenfonds umwandeln.
DWS bietet somit die dynamischste und flexibelste Lösung, der DIT die defensivste Strategie. Als einzige Gesellschaft bietet DWS auch die Möglichkeit, bei der Anlage in Aktienfonds zwischen drei Produkten zu wählen: dem deutschen Aktienfonds Investa, dem weltweit investierenden Akkumula und dem Top 50 Welt, der in internationale Wachstumswerte anlegt. Die Altersvorsorgeprodukte von DIT und DWS lassen sich noch mit einer Lebensversicherung kombinieren. Dafür hat die Union ein eigenes Produkt geschaffen. Wie und ob die Pensions-Sondervermögen in die bisherigen Angebote integriert werden, ist nicht sicher. Grundsätzlich besteht diese Möglichkeit. Sie könnten dann als Bausteine in der Ansparphase die Aktienfonds ersetzen. Armin Löwe

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote