ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Aktien: Im Verkauf liegt der Gewinn

VARIA: Geldanlage

Aktien: Im Verkauf liegt der Gewinn

Jobst, Peter

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LNSLNS Das geschickte "Timing" ist beim Aktienkauf unverzichtbar. Nur wer zu möglichst niedrigen Kursen kauft, wird langfristig an der Börse erfolgreich sein. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Wahl des richtigen Zeitpunkts zum Verkauf. Erst beim Verkauf werden bekanntlich bisherige Buchgewinne realisiert.


Unterschiedlich sind die Strategien, nach denen sich Aktienanleger von ihren Papieren trennen. Viele Investoren verkaufen ihre Aktien immer dann, wenn sie Geld benötigen. Diese Variante ist freilich riskant. Muß ein Engagement zu einem bestimmten Termin gelöst werden, sind möglicherweise hohe Kursverluste zu realisieren. Nicht umsonst rät Börsen-Altmeister André Kostolany, daß "Aktiengeld lediglich Spielgeld" sein sollte, dessen Verlust "weh tun, aber nicht wirklich schmerzen" sollte. Aber auch, wenn eine Verkaufsentscheidung "aus dem Bauch" heraus getroffen wird, stellt sie sich im nachhinein oftmals als falsch heraus.
Sinnvoller ist es hingegen,Aktien immer dann zu verkaufen, wenn man sie zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr kaufen würde. Hierbei werden fundamentale oder charttechnische Gründe nahezu optimal berücksichtigt. Allerdings zeigt die Erfahrung, daß viele Anleger bei dieser Methode zu früh aussteigen. Der Kurs des gewählten Papiers ist meist noch nicht vollständig ausgereizt.
Eine wesentlich zuverlässigere Rendite sichert hingegen ein Verkauf immer dann, wenn ein bestimmtes Kursziel erreicht ist. Nach beispielsweise 10 oder 20 Prozent Gewinn werden die Papiere dabei generell zum Verkauf gestellt; oftmals wird ein Limit auch "auf Verdacht" vorgegeben in der Hoffnung, daß es an einem günstigen Börsentag erreicht wird. Vorteil ist der nahezu sichere Gewinn, sofern es sich um ein Papier mit entsprechender Schwankungsbreite handelt.

Alles eine Frage der Zeit
Jede Aktie - abgesehen vielleicht von Papieren konkursreifer Unternehmen - wird eines Tages um 10 oder 20 Prozent steigen, so daß es zumindest beim Einstieg in einer Börsenflaute lediglich eine Frage der Zeit ist, bis die Papiere mit Gewinn verkauft werden. Andererseits vergibt sich der Anleger hier wiederum die Chance auf zusätzliche Kursgewinne, die nach einem derartigen Anstieg nicht unwahrscheinlich sind. Zudem kostet das regelmäßige Erteilen von Verkaufslimits Bankgebühren.
Umgekehrt sichern sich viele Anleger dadurch ab, daß sie sich selbst eine Stop-Loss-Marke setzen, beispielsweise 10 oder 20 Prozent unter dem Einstandskurs. Wird dieser Kurs unterschritten, werden die Aktien ohne Rücksicht auf eine mögliche Erholung verkauft. Die Kursverluste halten sich so stets in Grenzen. Allerdings wird ein solches Portefeuille in der Regel nur eine unterdurchschnittliche Performance entwickeln. Stop-Loss-Marken lassen sich im übrigen bei einigen Standardwerten auch im Verkaufsauftrag festhalten. Bei Unterschreiten des Mindestkurses erfolgt dann ein automatischer Verkauf. Moderne Computerprogramme zur Depotverwaltung bieten heute meist eine differenzierte Kursüberwachung. Auch dabei wird zwar mit einer Stop-Loss-Marke gearbeitet. Solange der Kurs der Aktie steigt, wird diese Marke jedoch mit nach oben gezogen. Im Fall eines Kursrückgangs wird die Grenze beim erreichten Niveau festgeschrieben. Damit vergibt sich der Anleger zwar die Chance, seine Papiere zum absoluten Höchstkurs verkaufen zu können, andererseits schützt er sich weitgehend vor Verlusten. Steuerliche Gründe können schließlich ebenfalls eine Rolle beim Verkauf spielen. Bekanntlich bleiben Kursgewinne nach Ablauf der derzeit sechsmonatigen Spekulationsfrist generell steuerfrei, so daß ein Halten der Aktien über diesen Zeitraum hinaus durchaus interessant sein kann. Hier lohnt sich jedoch das Abwägen: nach einem kräftigen Kursanstieg kommt erfahrungsgemäß auch einmal eine Baisse. Durchaus sinnvoller wird es daher sein, Aktien zu einem günstigen Zeitpunkt zu verkaufen und den Gewinn ordnungsgemäß zu versteuern, als abzuwarten, bis die Steuerfrist abgelaufen ist, dafür aber möglicherweise einen wesentlich niedrigeren Erlös zu erzielen.
Bei Standardwerten können auch Optionen hilfreich sein. Der Kauf einer Verkaufsoption sichert einen festgelegten Verkaufskurs für die Papiere nach Ablauf der Spekulationsfrist. Die fällige Optionsprämie ist dann quasi eine "Versicherung" gegen Kursverluste. Peter Jobst

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