ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Lebensversicherung: Wertentwicklung nach dem Dax

VARIA: Geldanlage

Lebensversicherung: Wertentwicklung nach dem Dax

Jobst, Peter

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LNSLNS Der jahrzehntelang von allen ausländischen Einflüssen abgeschottete deutsche Versicherungsmarkt erlaubte es, Kunden mit ertragsschwachen Lebensversicherungspolicen, unzumutbaren Vertragsbedingungen und beschämenden Schadensabwicklungen abzuspeisen. Seit der Freigabe des Marktes hat sich das geändert: Deutsche Anleger können jetzt auch problemlos bei ausländischen Anbietern abschließen, die oftmals - aber auch nicht immer - durchaus interessante Produkte offerieren.

Zu den interessanten Angeboten ausländischer Versicherer in der Bundesrepublik Deutschland zählt eine Vertragsart, die von der 170 Jahre alten britischen "Standard Life" - mit über drei Millionen Kunden-Policen eine der weltweit größten Versicherungsgesellschaften - unter dem Namen "Indax" auf den deutschen Markt gebracht wurde. Es handelt sich um eine indexgebundene Lebensversicherung, die in DM geführt wird und deren Wertentwicklung sich nach dem Deutschen Aktienindex (Dax) richtet.
Bei einer klassischen Kapital-Lebensversicherung werden die Prämienzahlungen lediglich versicherungsintern in Spar-, Risiko- und Kostenanteil gesplittet, so daß der Kunde praktisch keinerlei Übersicht über die aktuelle Höhe seines Sparkapitals hat. Hingegen erfolgt bei der Indax-Versicherung eine detaillierte Trennung.
Aus der Gesamtprämie werden zunächst die Kosten für die Verwaltung und die Risikoabsicherung herausgerechnet, wobei von der Gesellschaft als Durchschnittssatz hierfür zwischen 4,5 und 5,5 Prozent der Gesamtprämie kalkuliert werden. Der Sparanteil, also die verbleibenden 94,5 bis 95,5 Prozent der Gesamtprämie, wird in deutschen Standardaktien investiert. Die Aufteilung erfolgt dabei analog zur Struktur des Dax.


Andante und Allegro
Für den Kunden selbst wurde das Verfahren derart vereinfacht, daß bereits bei Vertragsbeginn jeder Tranche eine feste Gewinnbeteiligung für den Sparanteil der Prämie vereinbart wird. Hierzu bietet Standard Life zwei Vertragsmodelle:
1 Beim Modell "Andante" ist eine zwölfjährige Vertragslaufzeit vorgesehen. Die Beitragszahlung ist auf fünf Jahre verkürzt. Der Kunde wird mit 69 Prozent an einer eventuellen Steigerung des Dax beteiligt. Zum Ende jedes Versicherungsjahres wird nun die Wertsteigerung des Dax errechnet und mit dem Gewinnbeteiligungssatz sowie dem Sparbeitrag multipliziert. Hat der Kunde also zum Beispiel 10 000 DM Sparbeitrag geleistet und ist der Dax im abgelaufenen Jahr um 20 Prozent gestiegen, erhält der Kunde eine Gewinngutschrift von 1 380 DM. Ist der Dax allerdings zurückgegangen, erfolgt für das jeweilige Jahr keine Gewinngutschrift. Allerdings bleiben auch frühere Gewinnbeteiligungen unangetastet.
1 Beim Modell "Allegro" wird der Kunde mit 73 Prozent (12 Jahre Laufzeit, regelmäßige Beitragszahlung), 77 Prozent (fünf Jahre Laufzeit, Einmalzahlung) oder 92 Prozent (12 Jahre Laufzeit, fünf Jahre Einzahlung) an einer Wertsteigerung des Dax beteiligt. Die Berechnung der Wertsteigerung erfolgt -- und dies ist der Hauptunterschied gegenüber dem Modell "Andante" - auf Basis des täglichen Mittels der Dax-Werte für die letzten 24 Monate der Vertragslaufzeit, bei einem Fünf-Jahres-Vertrag auf Basis des täglichen Mittels der DaxWerte der letzten 12 Monate der Vertragslaufzeit. Dieser Mittelwert wird mit den Ausgangswerten der einzelnen Jahre verglichen und - sofern positiv - mit dem Gewinnbeteiligungsfaktor und dem Sparbeitrag der jeweiligen Jahre multipliziert.
Größtes Risiko dieser neuartigen Versicherungsform ist, daß der Dax über viele Jahre stagniert oder gar nachgibt. In diesem Fall erhält der Kunde weder eine Verzinsung noch eine Gewinnbeteiligung, sondern lediglich sein eingezahltes Kapital wieder zurück. Allerdings - und darin unterscheidet sich die Policenart von einer fondsgebundenen Lebensversicherung - beschränkt sich das Risiko auf den Ertrag. Denn schließlich muß der Kunde im Fall einer schwachen Börse nicht am Verlust teilhaben.


Renditen über sieben Prozent
Für die Vergangenheit errechnet Standard Life überaus interessante Ertragssätze. Beim Modell "Andante" konnte ein Kunde mit fünf Jahresraten à 20 000 DM nicht nur ein Sparkapital von 95 000 DM aufbauen, sondern in 12 Jahren auch eine Gewinngutschrift von immerhin 108 067 DM erzielen - und dies, obwohl der Dax in vier der 12 Jahre rückläufig war und damit in diesen Jahren keine Gewinnbeteiligung ausgezahlt wurde. Dies entspricht einer Rendite auf das eingezahlte Sparkapital von immerhin 7,83 Prozent oder einer Gesamtrendite auf alle Einzahlungen von 7,3 Prozent.
Aber auch die Ablaufzahlen für das Modell "Allegro" sind durchaus interessant. Für einen 12jährigen Vertrag mit fünfjähriger Beitragszahlung mit jeweils 20 000 DM errechnet das Unternehmen eine Ablaufleistung von 191 661 DM. Dies entspricht einer Sparkapital-Rendite von 7,22 Prozent oder einer Gesamtrendite auf das eingesetzte Kapital von 6,7 Prozent. Dies ist immer noch deutlich mehr als bei einer vergleichbaren KapitalLebensversicherung mit gleicher Laufzeit.
Nichts für Erstanleger
Verbunden ist auch die Indax-Versicherung - die lediglich von einer handverlesenen Auswahl erfahrener Versicherungsmakler vertrieben werden darf - mit allen anderen Komponenten einer Lebensversichung: die Todesfall-Leistung beträgt entweder 60 Prozent der Prämiensumme oder - sofern höher - 105 Prozent des Marktwertes der eingezahlen Sparbeiträge, die Ablaufleistung bleibt nach geltendem Recht bei allen 12 Jahre laufenden Verträgen steuerfrei. Möglich sind auch vorzeitige Verfügungen zum aktuellen Zeitwert. Allerdings unterliegen entsprechende Auszahlungen dann der Kapitalertragsteuer.
Die neuartige Versicherungsform, die auch von anderen Gesellschaften in absehbarer Zeit angeboten werden dürfte, eignet sich in erster Linie für Anleger, die bereits ausreichend vorgesorgt haben, aber dennoch auf der Suche nach einer möglicherweise überdurchschnittlich rentablen und - vor allem - steuerbegünstigten Form der Geldanlage sind. Entscheidend für die Kundenfreundlichkeit ist in erster Linie der Grad der Gewinnbeteiligung. Je weniger der Kunde an Indexveränderungen partizipiert, um so ungünstiger ist der Vertrag im Vergleich beispielsweise zu einem Fondssparplan, dessen Erträge dem Anleger voll zugute kommen, allerdings auch voll steuerpflichtig sind. Peter Jobst

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