ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2008Randnotiz: Mit Sinn fürs Geschäft

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Randnotiz: Mit Sinn fürs Geschäft

Dtsch Arztebl 2008; 105(49): A-2621 / B-2225 / C-2145

Korzilius, Heike

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LNSLNS Ärztinnen und Ärzte genießen in der Bevölkerung einen exzellenten Ruf. Das Vertrauen in die Kompetenz und die Integrität des Berufsstands ist groß. Das ergeben Umfragen in schöner Regelmäßigkeit. Noch hat das Bild des Geschäftsmanns das des Heilers und Helfers nicht verdrängt. Noch . . .

Szenenwechsel: Ein Sonntagnachmittag auf dem Land irgendwo in Deutschland. Eine Dreijährige weint bitterlich und klagt über Ohrenschmerzen. Die – inzwischen dreifachen – Eltern neigen nicht mehr zur Hysterie, beschließen aber, ärztliche Hilfe zu suchen. Bei zwei Kinderärzten in der nahen Kleinstadt läuft der Anrufbeantworter. Sie verweisen in Notfällen auf das 40 Kilometer entfernte Kinderkrankenhaus in der nächstgrößeren Stadt. Ein dritter Kinderarzt meldet sich zwar persönlich am Telefon. Aber, nein, man könne nicht vorbeikommen, er stehe nur seinen eigenen Patienten im Notfall zur Verfügung, sprach er. Aber man solle doch einmal im eigenen Medizinschrank nachschauen und, falls vorhanden, dem Kind Präparat XY verabreichen. Außerdem möge man sich doch am nächsten Tag noch einmal melden, um der dann anwesenden Sprechstundenhilfe die persönlichen Daten durchzugeben – wegen der Dokumentation und der Abrechnung der Beratung am Telefon. Auf Wiederhören.

Die Eltern, noch immer wild entschlossen, ihrem Kind fachlich kompetent helfen zu lassen, fahren nun also in die ferne Kinderklinik. Die Ärzte dort diagnostizieren eine schwere Mittelohrentzündung. Es gelingt ihnen, die Schmerzen der kleinen Patientin rasch zu lindern. Der örtliche Kinderarzt wartet allerdings noch immer auf einen Rückruf.
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