ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997SteueroptimierteVermögensanlagen: Kluge Komposition bringt den Gewinn

VARIA: Geldanlage

SteueroptimierteVermögensanlagen: Kluge Komposition bringt den Gewinn

Blum, Jürg P.

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LNSLNS Viele Anleger lassen sich bei ihren finanziellen Entscheidungen von möglichen Steuereinsparungen beeinflussen. Der Autor des folgenden Beitrags erläutert, weshalb stets die Wirtschaftlichkeit der gewählten Kapitalanlage im Vordergrund stehen sollte und mit Hilfe welcher Strategien es gelingen kann, die Nachsteuerrendite zu optimieren.


Alle Instrumente spielen harmonisch zusammen - das zeichnet ein gutes Orchester aus. Die Musiker sind bemüht, die Idee des Komponisten in idealer Weise zu interpretieren, und folgen den Anweisungen des Dirigenten. In der Vermögensverwaltung gilt derselbe Grundsatz. Der Dirigent ist der Kunde, die Komposition ist die Anlagestrategie, die Musiker sind die Anlageberater, und die Instrumente sind die genutzten Produkte.
Der dirigierende Kunde ist an der Optimierung seines Anlageerfolgs interessiert. Dieser Erfolg ist jedoch steuerpflichtig. Auch hier lenkt der kluge Kunde den Anlageerfolg in eine Richtung, die es ihm ermöglicht, die Besteuerung seines Anlageergebnisses zu minimieren. Dafür gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten.


Mit Weitblick anlegen
Gerade Ärzte haben jedoch recht unterschiedliche Erfahrungen mit Steuerspar- beziehungsweise Verlustzuweisungsmodellen gemacht. Für manchen Anleger endete die "Steuerersparnis" mit einer Immobilienmodell-Ruine und einer saftigen Nachsteuerrechnung.
Vorab also eine Bemerkung: Das Prinzip "Steuersparen" darf nicht im Vordergrund stehen. Die Parole lautet: Die Wirtschaftlichkeit der Anlage ist oberstes Ziel! Erst danach folgt eine stringente Überprüfung nach Steueroptimierungsmöglichkeiten. Das wichtigste Ziel einer steueroptimierten Vermögensverwaltung heißt, die Nachsteuerrendite zu optimieren. Für den Anleger bedeutet dies, die zu versteuernden Erträge so gering wie möglich zu halten und die steuerfreien Substanz- und Kapitalgewinne zu maximieren.
Nicht nur die Bewirtschaftung der Anlagen, sondern auch die steuerlichen Aspekte der Verschuldungsseite eines Kunden sollten in Betracht gezogen werden. Neue Instrumente und Strategien der Refinanzierung am Euro-Markt für Hypotheken in Fremdwährungen sollten eingehend nach ihren steuerlichen Vor- und Nachteilen geprüft werden.
Instrumente im festverzinslichen Bereich sind zum Beispiel kurzlaufende oder variabel verzinsliche Genußscheinanleihen, die in der korrekten Anwendung nicht nur steuerlich äußerst attraktiv sind, sondern heute auch wieder einen positiven Renditeaufschlag von rund einem Prozent bringen. Ebenso eignen sich Wandelanleihen, die auf Renditebasis gehandelt werden und zum Teil sehr tiefe Kupons aufweisen.
Eine beliebte Strategie ist, japanische ein- bis dreijährige Wandelanleihen (Kupons zum Teil unter einem Prozent in Yen) zu kaufen und gleichzeitig das Währungsrisiko mit einem entsprechenden Termingeschäft (hohes Aufgeld) zu eliminieren. Im langfristigen Bereich gibt es Instrumente, die als Indexzertifikate auf Renten kombiniert und damit steuerfrei sind.
Neben der Wahl der richtigen Produkte ist für einen "Nachsteuererfolg" die permanente Bewirtschaftung von großer Wichtigkeit. Die korrekte Verlängerung von Termingeschäften, der rechtzeitige Verkauf der Genußscheinanleihen, die konsequente Vermeidung von Spekulationsgewinnen oder das gezielte Erreichen von Spekulationsverlusten entscheiden oft über Erfolg oder Mißerfolg einer Steuerstrategie.
Dazu gehört auch das unmittelbare Anpassen der Strategie an geänderte Marktverhältnisse und steuerliche Rahmenbedingungen. Eine umfassende effiziente und steuerliche Bewirtschaftung des Vermögens ist, wie oben angesprochen, ohne Abschreibungmodelle undenkbar. Wie bei Kapitalanlagen bestimmt auch hier das Verhältnis Risiko : Ertrag (nach Steuern) die optimale Mischung. Für den kurzfristigen Bereich stehen sogenannte "geringwertige Wirtschaftsgüter" als Abschreibungsobjekte zur Verfügung. Bei einem mittel- beziehungsweise langfristigen Anlagehorizont sind es Mobilien (zum Beispiel Flugzeuge oder Eisenbahnen) oder Immobilien.


Beratung aus einer Hand
Nicht nur der Steuereffekt ist für die Wahl der geeigneten Modelle wichtig, sondern auch Aspekte wie Kapitalbindung, Handel, Veräußerbarkeit, Restwert und Mietsicherheit (Garantien) und natürlich auch die Frage, wie sich Steuergesetzänderungen auf das jeweilige Modell auswirken.
Sollen alle diese Aspekte berücksichtigt werden, ist es offensichtlich, daß der Investor Beratung aus einer Hand braucht, was nicht bedeutet, daß der Berater alles selbst machen muß. Er sollte aber in der Lage sein, die Kapitalanlagen professionell und unter Einsatz neuester technischer Hilfsmittel sowie unter Steueroptimierungstechniken zu bewirtschaften. Ferner muß er anspruchsvolle Finanzierungsstrategien effizient umsetzen, Immobilien als Asset-Klasse beurteilen und Erbschafts- wie auch Einkommensteuergesetze so weit kennen, daß er Wirkungen und Risiken der verschiedenen Abschreibungsmodelle abwägen kann. Nur so kann der Partner umfassend beraten und dem Kunden den gesamten Nutzen (Rendite) zeigen sowie auch die damit verbundenen Gesamtrisiken seines Vermögens darlegen.
An diesen Beispielen wird deutlich, daß es eine Vielzahl von guten Kombinationsmöglichkeiten bei der Bewirtschaftung des Vermögens und der steuerlich vernünftigen Schulden gibt. Der kluge Berater wägt alle Produkte hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit, der Nachhaltigkeit der Renditeerzielung, ihrer Liquidität und Risikominimierung zum Vorteil des Kunden ab.
Der Kunde selbst wird entscheiden, welche Instrumente, welche Musiker er für sein Orchester wünscht und welche Komposition gespielt werden soll - damit ihm das steueroptimale Anlageergebnis in harmonischen Klängen den gewünschten guten Schlaf bringen wird.


Dr. Jürg P. Blum
Bank Hofmann AG
Talstraße 27
CH-8001 Zürich

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