ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2008Multiple Sklerose: Frühe Interferongabe hemmt die Progression

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Multiple Sklerose: Frühe Interferongabe hemmt die Progression

Dtsch Arztebl 2008; 105(49): A-2665

Vetter, Christine

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LNSLNS Die 5-Jahres-Daten der BENEFIT-Studie belegen, dass sich das Risiko, erneute Schübe zu erleiden, signifikant verringert. Späteren Behinderungen wird vorgebeugt.

Es verdichten sich die Belege dafür, dass sich bei Patienten mit ersten Symptomen einer multiplen Sklerose (MS) und MS-typischen Befunden in der Kernspintomografie der Krankheitsverlauf durch eine sofortige Behandlung mit Interferon beta-1b (Betaferon®) aufhalten lässt. Die Patienten scheinen auf lange Sicht von der Frühtherapie auf nahezu allen Ebenen zu profitieren, wie die BENEFIT-Studie (BEtaferon in Newly Emerging multiple sclerosis For Initial Treatment) ergeben hat.

Denn die 5-Jahres-Daten der multizentrischen Doppelblindstudie, die jetzt in Leverkusen vorgestellt wurden, belegen eine deutliche Hemmung der Krankheitsprogression, eine geringere jährliche Schubrate und auch eine Reduktion von Begleitsymptomen, wie beispielsweise kognitive Beeinträchtigungen bei Patienten, die schon im CIS-Stadium (Clinical Isolated Syndrome) mit Interferon beta-1b behandelt wurden.

An der Studie nahmen insgesamt 468 CIS-Patienten teil und erhielten zunächst zwei Jahre lang (oder bis zum Auftreten eines zweiten Krankheitsschubs und damit einer klinisch gesicherten MS) placebokontrolliert alle zwei Tage 250 µg s.c. Interferon beta-1b. Es habe sich eine dreijährige offene Extensionsstudie angeschlossen, berichtete Studienleiter Prof. Mark Freedman (Ottawa/Kanada). In dieser Phase konnten alle Patienten mit Interferon beta-1b behandelt werden, allerdings wussten weder sie noch die betreuenden Ärzte, welche Patienten in der anfänglichen Doppelblindphase der Studie tatsächlich Interferon erhalten hatten.

Eine Interimsanalyse nach insgesamt drei Jahren dokumentierte bereits eindeutige Vorteile der Früh-therapie, die nunmehr laut Freedman durch die 5-Jahres-Daten bestätigt werden. „Das Ergebnis spricht noch eindeutiger für die frühzeitige Behandlung, als wir erwartet hatten“, erklärte der Neurologe. So habe in der Patientengruppe, die von Anfang an Interferon beta-1b erhalten habe, nur bei 46 Prozent nach fünf Jahren eine klinisch gesicherte MS vorgelegen gegenüber 57 Prozent in der Placebogruppe.

Dies entspreche einer Risikoreduktion um 37 Prozent (p = 0,003) und bedeute, dass die Krankheitsprogression um 750 Tage, also um gut zwei Jahre, verzögert worden sei. Das Ergebnis war in dieser Hinsicht signifikant, wie Freedman betonte. Statistisch eindeutig verlängert wurde nach seinen Worten auch die Zeit bis zur Diagnose einer MS nach den McDonald-Kriterien. Die Risikoreduktion habe bei diesem Parameter sogar 45 Prozent betragen, betonte der Mediziner.

Bemerkenswert, wenngleich nicht statistisch eindeutig, war nach seinen Worten außerdem eine Verzögerung der EDSS-Progression (Expanded Disability Status Scale) um durchschnittlich 1,5 Jahre sowie eine signifikante Verringerung der jährlichen Schubrate.

Als besonders relevanten Befund hob Freedman die Tatsache hervor, dass die Frühtherapie die kognitiven Fähigkeiten der Patienten, die anhand des PASAT (Paced Auditory Serial Addition Test) bestimmt worden seien, besser erhalten habe. Es seien bei den sofort mit Interferon beta-1b behandelten Patienten außerdem statistisch eindeutig weniger neue aktive Läsionen in der Kernspintomografie aufgetreten, betonte der Mediziner.

Professionelle Betreuung
Voraussetzung für die erzielten therapeutischen Wirkungen aber ist eine gute Compliance. Daran aber hapert es bei MS-Patienten häufig, wie Michael Staschewski (Bayer-Schering-Pharma) darlegte: „Ohne die Unterstützung durch ein professionelles Betreuungsprogramm beendet rund jeder zweite MS-Patient, der eine Basistherapie erhält, diese eigenmächtig innerhalb von nur 24 Monaten.“

Das Unternehmen hat deshalb das BETAPLUS®-Programm entwickelt, das den Patienten helfen soll, die Basistherapie zuverlässig beizubehalten.


Zum Programm gehört eine zentrale Beratungsstelle, die die Patienten werktags von acht bis 22 Uhr und samstags von neun bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 08 00/2 38 23 37 erreichen können und über die sie mit umfassendem Informationsmaterial versorgt werden. Ein weiterer zentraler Baustein des Programms ist die Betreuung über eine MS-Nurse, die den Patienten mit Rat und Tat zur Seite steht, diese persönlich zu Hause betreut und auch die Schulung der Injektionstechnik übernimmt und überwacht.
Christine Vetter

Pressekonferenz „BENEFIT-Studie 5-Jahres-Daten: Neuer Kurs in der MS-Frühtherapie“, am 12. November 2008 in Leverkusen, Veranstalter: Bayer- Vital GmbH
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