ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2008Von schräg unten: Crash

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Crash

Böhmeke, Thomas

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Das Leben gleicht einer langen Infusion mit ständig wechselnden Nebenwirkungen. Manche treffen einen allerdings immer wieder, wie mich die frechen Neffen. „Onkel Thomas, die Banken gehen jetzt alle den Bach runter, meinst du, meine Kohle ist da noch sicher?“ Vermögen oder Guthaben, so greife ich korrigierend ein, und außerdem sei es ja nun so, dass die Bundesregierung in einem beispiellosen Anfall eines Helfersyndroms 400 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat, um zu verhindern, dass die bundesdeutsche Geldwirtschaft im zentralen Kreislaufversagen kollabiert. „Wissen wir doch, Onkel Thomas, aber die Banker wollen die Asche gar nicht, weil die sonst auf 500 Mille im Jahr gedeckelt werden, erklär uns das mal. Du bist doch Fachmann, du kriegst doch immer was auf den Deckel!“ Nun ja, die Zurückhaltung der Banker könnte durch Sorgen um eine Durchleuchtung interner Strukturen durch externe Invasoren . . . „Du willst uns damit sagen, die Banker wollen die Staatsknete nicht, weil sie dann völlig bürokratisiert werden?“ Ja, so ungefähr. „Also haben sie Angst, dass die so werden könnten wie du mit deinem ewigen Gejammer über fremde Leute, die ihre Kontrollzwänge an dir ausleben?“ Jetzt mach aber mal einen Punkt, ganz so schlimm ist es auch nicht. „Muss es aber doch sein, wenn die 500 Mille im Jahr ausschlagen! Aber mal was anderes: Wo hast du denn deine Aktien versenkt, Onkel Thomas?“ Ich habe keine Aktien. „Haben die Ärzte heute noch nicht mal mehr Aktien?!“ In Zeiten der fallenden Punkte und Deckelungen kann man sich so etwas kaum leisten. Früher vielleicht; ach, früher, da war alles viel besser. Stellt euch vor, es gab sogar einmal Zeiten, da war sogar der Punktwert stabil, und man wusste, was man für seine Arbeit bekam. „Jetzt ist uns alles klar, Onkel Thomas. Jetzt wissen wir, warum die Banker bei 500 Riesen pro Jahr zurückzucken. Die haben bestimmt in dein Aktiendepot geguckt und sich gesagt: Nee, nee, so wollen wir nicht enden. Viel malochen, nix drin, kontrolliert ohne Ende – auf so etwas lassen wir uns nicht ein. Früher hatten die Ärzte es richtig dicke, und jetzt können die nur jammern!“ Manchmal dreht eure Fantasie mit euch durch. „Nein, das war bestimmt so. Onkel Thomas, ob du es wahrhaben willst oder nicht: Du bist der einsame Leitstern am Karrierehimmel unserer Finanzmogule!“ Danke für die welken Blumen. „Bitteschön. Du taugst halt nur als schlechtes Beispiel.“ Noch so eine Bemerkung, und ich zeige euch als unzumutbare Nebenwirkung an. „Onkel Thomas, du solltest froh sein, dass du immer nur fallende Punkte und nie steigende Aktien gehabt hast.“ Wie bitte?! „Na ja, wenn du richtig was verdient hättest, dann hättest du dir auch Aktien von den amerikanischen Schrottbanken gekauft, dann würdest du jetzt noch mehr jammern!“ Raus!

Jetzt habe ich noch nicht mal einen Schaden und brauche trotzdem für den Spott nicht zu sorgen.

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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