ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 3/2008Palma de Mallorca: Christmas-Shopping bei Osterwetter

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Palma de Mallorca: Christmas-Shopping bei Osterwetter

Dtsch Arztebl 2008; 105(49): [8]

Sobik, Helge

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: mauritius images
Foto: mauritius images
Die vielen Würste, die Tannenzweige, Weihnachtsmänner und Leuchtgirlanden über den Einkaufsstraßen von Spaniens reichster Stadt sind ein sicheres Indiz dafür, dass es Dezember sein muss.

Der Himmel hängt voller Würste – in der Vorweihnachtszeit mehr noch als zu jeder anderen Jahreszeit. Sie baumeln in den Türrahmen der Spezialitätengeschäfte in der Altstadt von Palma de Mallorca, von den Decken der Metzgereien, hängen am Gestänge der Markisen: Im Dezember ist Hochkonjunktur für Sobrasadas, die süßlich-aromatischen mallorquinischen Streichwürste. Bei den meisten Einheimischen stehen sie traditionell auf dem Speisezettel für Heiligabend oder den ersten Feiertag, wenn mit Vorliebe Spanferkel damit gefüllt werden. „Sobrasada“, sagt Pedro Amengual, „gibt jedem Gericht den letzten Schliff.“ Er muss es sagen, denn er verkauft in seinem kleinen Laden an der Calle Sant Domingo fast nichts anderes – wie vor ihm sein Vater, sein Großvater und der Urgroßvater. Das Schönste am Würsteverkaufen im Dezember? „Du kannst zwischendurch kurz zum nächsten Café laufen, eine Horchata-Erdmandelmilch bestellen und an einem Tischchen im Freien Sonne tanken. Wie bei euch im April!“ Er lacht. Die durchschnittlichen Temperaturen hier bewegen sich nie unter 14 Grad Celsius und steigen an schönen Tagen mitten im kalendarischen Winter über die 20-Grad-Celsius-Marke: Christmas-Shopping bei Osterwetter! Dennoch ist die Sonne für Pedro Amengual etwas Besonderes: Vom Tresen seines engen, schlauchförmigen Ladens aus sieht er sie nicht. Hunderte Würste verhängen den Blick.

Palma de Mallorcas Karriere als Ziel für den Städte-Kurzurlaub ist noch in den Anfängen – und als Shoppingziel gerade vor Weihnachten ist die Inselmetropole umso mehr ein Geheimtipp. Dabei ist Palma, gut 400 000 Einwohner stark, die reichste Stadt Spaniens mit entsprechender Kaufkraft. Das sorgt für Weltstadtauswahl und hat längst auch internationale Edelmarken angelockt, die ihre Boutiquen vor allem entlang der Avinguda Jaume III., der Plaça del Rei Joan Carles I. und des Passeig des Born in der Innenstadt eröffnet haben.

Eine Firma leistet sich sogar einen bulligen Aufpasser mit Schirmmütze und dunkler Uniform neben dem Portal. Weniger, weil etwas geschehen könnte – eher, weil es gut fürs Image ist: Wachmann Jorge muss stets mit Blicken prüfen, wen er zu den teuersten Klunkern vorlässt – und wen er beim Herausgehen aus der Filiale des Edeljuweliers sicherheitshalber kurz stoppen sollte . . .

Direkt gegenüber betreibt einer der erfolgreichsten Einzelhändler sein Geschäft: Miquel Solivellas verkauft Eiskugeln – im Winter so viele wie im Sommer. „Weil es viele warme Wintertage gibt. Und weil viele Einheimische das Eis in Styropor verpacken lassen und als originelle Beilage zu großen Advents- oder Weihnachtsmenüs mit nach Hause nehmen – mit Vorliebe die Geschmacksrichtungen Gamba, Avocado und Roquefort. Die passen sehr gut zu Salaten“, erzählt er. 92 verschiedene Sorten hat Miquel Solivellas in seiner Eisdiele „Ca’n Miquel“ ganzjährig im Sortiment, darunter allein 24 verschiedene Schokoladenvarianten. Welche er selbst am liebsten mag? „Jamaica-Schokolade“, antwortet er sofort. „Und Gamba.“ Und welche der Wachmann drüben in der Pause am liebsten holt? „Er mag Erdbeere, die Kugel mit Waffel für 1,60 Euro.“ Er grinst und winkt hinüber zur anderen Straßenseite.

Die vielen Würste, dazu die mit Tannenzweigen, Weihnachtsmännern und Leuchtgirlanden geschmückten Läden und die Lichtsterne über den Einkaufsstraßen der Innenstadt sind ein sicheres Indiz dafür, dass Dezember sein muss: „Wann ist hier denn wirklich Winter?“, will eine Adventsurlauberin vom Kellner im „Café Lírico“ an der Avinguda d’Antoni Maura mitten in Palma de Mallorca wissen. Gerade hat sie es sich in kurzärmeliger Bluse und Sommerrock im Freien gemütlich gemacht, Tüten voller Shoppingausbeute neben sich abgestellt und erst mal ein Eis bestellt. „Schwer zu sagen“, meint der Mann mit der weißen Schürze: „Letztes Jahr war es an einem Dienstag . . .“

Rund 100 000 Lämpchen umfasst die Llums-de-Nadal-Beleuchtung, die jedes Jahr Mitte November in den Innenstadtstraßen Palmas montiert und kurz vorm ersten Advent angeknipst wird. Die Stadt bleibt bis zum 6. Januar ins weihnachtliche Lichtermeer getaucht, denn traditionell gibt es die Geschenke in Spanien erst am Tag der Heiligen Drei Könige.

„Sobrasada gibt jedem Gericht den letzten Schliff.“ Die süßlichen Streichwürste haben im Dezember Hochkonjunktur. Foto: Helge Sobik
„Sobrasada gibt jedem Gericht den letzten Schliff.“ Die süßlichen Streichwürste haben im Dezember Hochkonjunktur. Foto: Helge Sobik
Die rechteckigen Holzbuden der Kunsthandwerker auf dem großen Plaça-Major-Weihnachtsmarkt unter hoch aufgehängten Leuchtkugeln und Glitzersternen haben Sträflinge im Rahmen eines Gefängnisprojekts für die Stadt gebaut. Schön sind sie geworden – und passen gut zu Krippenfiguren, Glasbläserarbeiten, handgeschnitztem Kinderspielzeug und zu Töpferwaren, die über die Theke hinweg verkauft werden. Nur scheinen die reumütigen bösen Buben bei der Konstruktion die Zunftgenossen von einst nicht ganz aus dem Gedächtnis verloren zu haben: Die Buden haben außergewöhnlich viele Nägel, Riegel, Scharniere und sehen auffällig ein- wie ausbruchssicher aus . . .

Ob silberne Stiefel, violett lackierte Turnschuhe, orangefarbene Handtaschen, Lederbeutel im Leopardenlook, knallrote Kinderbademäntel mit weißem Polyacryl-Pelzkragen in Weihnachtsmann-Optik oder Ketten aus Edelkunstperlen von Majorica: Das ist alles zu haben in den Straßen von Mallorcas Inselhauptstadt. Wer mag, kann zum Beispiel an der Avinguda Jaume III. 800 Euro für ein Sakko hinblättern – oder irgendwo zwischen Plaça Major und Plaça Olivar schicke Schuhe für 35 Euro erstehen – sofern er am Weihnachtsmann vorbeikommt: Santa Claus steht dort fast lebensgroß, aus Kunststoff und mit Mechanik im Oberkörper im engen Eingang eines Schuhgeschäfts. Wenn er gerade wippt wie der Duracell-Hase auf Ecstasy, kann einige Momente lang keiner mehr heraus – ein Vorteil für den Geschäftsinhaber. Aber leider kann auch keiner herein.

Karussell und Hüpfburg vor der Markthalle Mercat de l’Olivar interessieren nur ein paar tütenbepackte Mütter. Die Kinder spielen lieber daneben Fußball – wie im Frühjahr, im Herbst. Und im Sommer. Bis der Glockenschlag der Kathedrale Sa Seu über die Dächer dringt, die Jalousien vor den Läden heruntergelassen werden, Pedro Amengual die Gardine aus Würsten vor seinem Tresen zuzieht und Feierabend macht – um ein Spanferkel mit weihnachtlichen Sobrasada zu stopfen. Helge Sobik


Informationen:
Unterkunft: Der Hotelverbund Reis de Mallorca („Könige von Mallorca“, www.reisdemallorca.com, Telefon: 00 34/8 71/ 94 97 67) umfasst mehr als 30 Häuser der gehobenen Kategorie überall auf der Insel, davon zehn in und um Palma. Übernachtung im „Hotel San Lorenzo“ (www.hotelsanlorenzo.com) in der Altstadt oder 20 Fahrtminuten außerhalb im ruhig gelegenen „Es Reco de Randa“ (www.esrecoderanda.com).
Auskünfte: Bei der Touristeninformation vor Ort und in vielen Läden gibt es die kostenfreie Broschüre „Palma. Der beste Einkauf am Mittelmeer“ mit vier themenbezogenen Shoppingrouten durch die Innenstadt.
Weitere Informationen: Fomento del Turismo de Mallorca, Calle Constitutió, E-07001 Palma, Telefon: 00 34/9 71/71 53 10, Internet: www.fomentmallorca.org und www.spain.info.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema