ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 3/2008Route 62 in Südafrika: Unterwegs im Regenbogenland

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Route 62 in Südafrika: Unterwegs im Regenbogenland

Dtsch Arztebl 2008; 105(49): [22]

Klausmann, Heinz

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Mit dem Mountainbike abseits der Hauptstraßen

Lufthansaflug LH 576 aus Frankfurt/M. nähert sich in einem großem Bogen dem Kap der Guten Hoffnung. Unter uns liegt vom Atlantik umspült Robben Island in der Morgensonne. Auf der Gefängnisinsel vor Kapstadt hat Nelson Mandela mehr als 20 Jahre geduldig darauf gewartet, sein Volk in die Demokratie und in eine bessere Zukunft zu führen.

Am nächsten Morgen startet unser Abenteuer. Ziel ist es, Südafrika auf dem Fahrrad zu „erfahren“. Wir wollen dabei die noch ursprüngliche Landschaft abseits der Hauptstraßen kennenlernen. Uns reizt die Route 62, die von Montagu in östlicher Richtung durch Weinanbaugebiete und die Halbwüste der Little Karoo führt.

In Paarl treffen wir Dave. Der pensionierte Erdkundelehrer wird uns während unserer Tour als „Guide“ zur Seite stehen. Er ist entschlossen, uns Südafrika von der schönsten Seite zu zeigen. Seine Idee von einer kombinierten Rad- und Schlemmertour fasziniert uns. Es wundert uns deshalb nicht, dass er am nächsten Morgen auf der Höhe des Bainskloofpasses mit seinem VW-Bus gerade dort mit einem Picknick auf uns wartet, wo sich die schönsten Ausblicke auf die Weingüter ergeben. Der Weg hinunter ins Tal ist ein Rausch an Farben. Der Tag endet in Worcester bei einem saftigen Rindersteak und frischem Salat im „Protea Hotel Cumberland“. Beim Einschlafen kehren meine Gedanken zurück zum Township am Ortsrand, das zu Südafrika gehört wie der Regen zum Regenbogen.

Reiseführer Dave transportiert in seinem VW-Bus die Verpflegung, bei Bedarf auch Räder und müde Radler.
Reiseführer Dave transportiert in seinem VW-Bus die Verpflegung, bei Bedarf auch Räder und müde Radler.
Nach Montagu nehmen wir zunächst die Schotterstraße ins Hinterland, was sich als besonders reizvolle Variante erweist. Bevor wir uns aufmachen, warnt Dave uns vor den Gefahren der Halbwüste. Neben dem Wassermangel in extremer Trockenheit sind dies mögliche Begegnungen mit Puffottern und Kobras. Wir sind angekommen im Abenteuerland.

Am folgenden Tag führt uns der Weg bei sengender Hitze über Op de Tradouw nach Barrydale. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Weinprobe im „Joubert-Tradouw Private Cellar“ vereinbart. Sind es deren Nachwehen, oder ist es die extreme Hitze? Am nächsten Morgen traue ich meinen Augen nicht. Das unscheinbare Gebäude am Wegrand trägt den Namen „Ronnie’s Sex Shop“. Die Geschichte ist schnell erklärt. Ronnies Shop war wenig besucht, und als sein Besitzer mit Freunden mal wieder mit viel Bier gegen die Hitze kämpfte, spielten diese ihm einen Streich und ergänzten den Namenszug des Etablissements durch die drei magischen Buchstaben. Seither lässt kaum ein Reisender die Gelegenheit zu einem kurzen Stopp aus.

Das Thermometer am Lenker klettert zuweilen auf stolze 39 Grad Celsius. Fotos: Heinz Klausmann
Das Thermometer am Lenker klettert zuweilen auf stolze 39 Grad Celsius. Fotos: Heinz Klausmann
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In Ladysmith bereiten wir uns auf die anstrengende Tour auf den Seweweekspoort vor. Frühmorgens kommen wir auf einer Schotterpiste zunächst gut voran. Über den Bergen liegen noch einige Wolken. In den Obstplantagen sind die Arbeiter bereits bei der Pfirsichernte. Die Straße schlängelt sich auf einer Höhe von rund 1 000 Metern am Fluss entlang. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Schlucht. Mächtig erheben sich zu beiden Seiten des Wegs Sandsteinformationen, die in der stärker werdenden Sonne leuchten. Am Wegrand blühen wilde Geranien. Schwarzadler nisten in den Felswänden. Calitzdorp heißt das nächste Ziel. Der Entschluss, dort die Fahrräder auf den Anhänger zu montieren, ist dem Besuch im Weinkeller Boplaas geschuldet. Calitzdorp ist das Zentrum der Portweinherstellung in Südafrika. Mit dem VW-Bus fahren wir tief ins Hinterland an den Fuß der Swartberge zum entlegenen „Retreat of Groenfontein“, einem Refugium für zivilisationsmüde Gäste.

Der Swartbergpass ruft. Noch vor dem Frühstück ziehen wir Reifen mit gröberen Stollen auf die Mountainbikes auf. Die vor uns liegenden Schotterpisten verlangen einen besseren „Grip“. Zunächst geht es vorbei an Straußenfarmen. Während wir eine Steigung nach der anderen meistern, klettert das Thermometer auf mehr als 30 Grad Celsius.

Noch bleiben uns einige Kilometer auf einer asphaltierten Straße, bevor bei 35 Grad Celsius der Fußpunkt des Passes erreicht ist. Nach einem letzten erfrischenden Schluck aus der Aluminiumflasche rasten die Mountainbikeschuhe mit einem satten Klick in die Pedale. Das kleinste Kettenblatt verbindet sich für die nächsten gut zehn Kilometer mit dem größten Ritzel zur „Arbeitsgemeinschaft Swartbergpass“. Vom höchsten Punkt des Passes schweift der Blick weit über das Land.

Anspruchsvolles Gelände, extreme Temperaturen: Heinz Klausmann ist nicht auf Erholungsreise.
Anspruchsvolles Gelände, extreme Temperaturen: Heinz Klausmann ist nicht auf Erholungsreise.
Nach dem anstrengenden Tag sind wir froh, in Prince Albert im komfortablen „De-Bergkant“-Gästehaus unterzukommen. Charles Roux, ein Aussteiger aus Kapstadt, hat in einem ehemaligen Missionshaus von 1858 ein Juwel in der Karoo geschaffen. Die Jubelfeier im Restaurant „Peter’s Mill“ fällt wegen unserer großen Müdigkeit allerdings deutlich bescheidener aus, als während des anstrengenden Aufstiegs geplant.

Am nächsten Nachmittag liegt eine Strecke von 53 Kilometern vor uns. Während wir uns auf der stetig ansteigenden Straße mühsam voran bewegen, wechseln sich Obstplantagen mit ausgedehnten Weinfeldern ab. Bei der Abfahrt nach Klaarstroom erschließen sich in der tiefer stehenden Sonne herrliche Ausblicke auf die Nordseite der Swartberge. Die Vegetation wird karger.

Mit der Sonne und einem ordentlichen Wind im Rücken rollen wir am nächsten Morgen durch den tiefen Einschnitt im Sandstein der Swartberge. Nach Erreichen der R 341 liegen 40 Kilometer einsame schattenlose Strecke vor uns. Zu unserer Rechten begleiten uns die Kammanassieberge. Links langweilen sich Schafe in der öden Halbwüste.

Nach zehn anstrengenden Tagen sagen wir der Route 62 Adieu. Auf dem Weg hinab zum Meer ändert sich die Landschaft dramatisch. Das Grün der Umgebung erinnert an Schwarzwaldtäler. Gefleckte Kühe weiden auf saftigen Weiden. In der Ferne lockt Plettenberg Bay mit ausgedehnten Sandstränden. Wir stürzen uns mit bis zu 50 Stundenkilometern über die gewundene Piste den Bloukranspass hinab. Die grüne Kulisse leuchtet im Abendlicht, Vogelgezwitscher, durchmischt mit Pavianschreien, lässt urbanen Autolärm vergessen. Mit der untergehenden Sonne erreichen wir das Storms Rivier Village. Dem Anlass angemessen steigen wir im „Protea Village Inn“ ab. Der letzte Staub der Karoo bleibt zurück, als die geräumige Badewanne sich nach einem ausgiebigen Schaumbad leert. Ein fruchtiger Chardonnay aus dem Robertson Valley begleitet den Kingklip mit gebratenem Gemüse und unsere Erinnerungen an eine Reise durch das Regenbogenland. Dr. med. Heinz Klausmann

Information: Diese Reise können Sie nicht ohne Begleitung unternehmen. Ohne sachkundige Begleitung besteht Lebensgefahr.

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