ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2008Ausbildung: Gegen die Zersplitterung

EDITORIAL

Ausbildung: Gegen die Zersplitterung

PP 7, Ausgabe Dezember 2008, Seite 545

Gieseke, Sunna

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LNSLNS E s könnte einfach sein: Studium, Abschluss, Weiterbildung und dann die Berufstätigkeit. Und das Ganze am besten in kürzester Zeit, aber ohne auf wesentliche Inhalte zu verzichten. Junge Menschen wollen heute eine fundierte Ausbildung erhalten, aber dann auch so schnell wie möglich Geld verdienen. Schließlich möchte niemand den Eltern oder dem Partner zu lange auf der Tasche liegen. Bei den Psychologischen Psychotherapeuten (PP) sieht dies allerdings ein wenig anders aus. Sobald sie sich für diesen Beruf entscheiden, stehen sie zunächst einmal vor einer unübersichtlichen Universitätslandschaft: Längst gibt es neben einem Diplom- auch noch Bachelor- und Masterstudiengänge.

Welcher Studiengang führt nun zu welchem Beruf? Die PP müssen ein Diplom oder einen Master in Psychologie vorweisen können. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) brauchen entweder ein Diplom oder einen Master in Psychologie oder einen Bachelor in Pädagogik beziehungsweise Sozialpädagogik. Allerdings braucht man, um den Beruf des PP oder KJP ausüben zu können, eine gewisse akademische Kernkompetenz. Warum diese mit einem Master in dem einen und einem Bachelor in dem anderen Fach erreicht werden soll, ist kaum verständlich. Zudem ist eine Zersplitterung der Ausbildungslandschaft in diesem Zusammenhang keinesfalls von Vorteil. Und eine weitere Frage bleibt offen: Warum sollte man Kinder, die psychisch erkrankt sind, bereits mit einem Bachelorabschluss behandeln können, während man Erwachsene erst mit einem Masterabschluss therapieren kann? Eine Anpassung der Abschlüsse wäre hier sicherlich wünschenswert.

Hat der PP-Nachwuchs dann aber die Hürde des Studiums gemeistert, steht er vor dem nächsten Problem: Es folgt das praktische Jahr. Dies wird allerdings in knapp 60 Prozent der Fälle nicht vergütet. Nur wenige Psychologen in Ausbildung (PiA) erhalten ein kleines Gehalt, und das ist dann häufig noch nicht einmal so hoch, dass man wirklich davon leben könnte. Ein angemessenes Gehalt sollte die Arbeit, die die PiAs leisten, wertschätzen. Das Krankenhausfinanzierungsreformgesetz bietet nun eventuell die Chance, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Dies betonte erneut der Vorstand der Bundes­psycho­therapeuten­kammer auf dem 13. Deutschen Psychotherapeutentag. Weiteres dazu lesen Sie auf Seite 551.

Es ist jedenfalls sehr gut, dass die PP keine Nachwuchssorgen haben. Zahlreiche junge Menschen wählen immer noch gerne diesen Beruf – trotz der vielen Hürden und der langen und teuren Ausbildungszeit zum PP nach dem Studium und praktischem Jahr. Dennoch ist der Nachwuchs motiviert: Fast könnte man ihn als idealistisch bezeichnen, da er sich auf einen langen, unübersichtlichen und teueren Weg einlässt, um den Wunschberuf ausüben zu können. Man muss aber betonen, dass es kaum der Erfolg der Politik ist, dass es bei den PP und KJP immer noch genügend Nachwuchs gibt. Sie legt ihm eher Steine in den Weg, als ihm behilflich zu sein. Wie wichtig die Tätigkeit der PP und KJP ist, zeigt wieder einmal die neueste Analyse der Kosten-Nutzen-Studien. Hierzu mehr auf Seite 554.
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