ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1997Transplantationen – Ethisch vertretbar: persönliche Zustimmung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Transplantationen – Ethisch vertretbar: persönliche Zustimmung

Overdick-Gulden, Maria

Zu den Themen Organspende und Hirntod und den dazu veröffentlichten Briefen "Charakter einer fremdnützigen Euthanasie" von Michael Schröter-Kunhardt und "Argumentative Verrenkungen" von Friedhelm Berlitz in Heft 15/1997
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LNSLNS Das Hirntod-Konzept mag medizinisch-therapeutisch ein naheliegend passender Entwurf für den Transplanteur darstellen, weil er sich der Not der zu transplantierenden Empfänger gegenübersieht; das philosophisch-anthropologisch überzeugende Kriterium des menschlichen Todes ist es nicht. Der Ganztod ist nur beim Auftreten von Totenstarre und Leichenflecken sicher zu bestimmen, sie sind die eindeutigen TodesKriterien. Der Sterbeprozeß des leiblich-geistigen Wesens Mensch entzieht sich ebenso unserer erkennenden Ein-Sicht wie die Entwicklung am Anfang unserer Existenz. Ein "Kriterium" muß das Kennzeichen für die Gültigkeit eines Satzes darstellen und dessen rational-intellektuelle Plausibilität entscheidend stützen. "Der Hirntod des Menschen ist sein Ganztod": dies bleibt eine Behauptung, die nicht stringent überzeugt. Im Fall der Organtransplantation kann sie den ethischen Anfragen weder logisch noch sittlich argumentativ standhalten. Aus diesem Grund ist auch die erweiterte Zustimmungslösung keine vernunftgemäße humane Lösung.
Dagegen ist die persönliche Zustimmung zur Organspende für den Fall des irreversiblen Sterbeprozesses als freiwilliger Akt im Dienst am Nächsten ethisch durchaus vertretbar. Ein Polizist oder Soldat, der sich für das Leben anderer einsetzt, legitimiert seine Vorgesetzten, ihn gegebenenfalls dem wahrscheinlichen Tod zu überantworten. Man kann "sein Leben hingeben" in der Bereitschaft für andere. Für die kritische Vernunft ist dieses Motiv sittlich grundsätzlich anders zu beurteilen als die Bitte eines Patienten oder das Ansinnen von Angehörigen um aktive Sterbehilfe. Unter den Umständen freiwilliger Spendenbereitschaft ist die Organentnahme keine "Tötung auf Verlangen".
Dr. Maria Overdick-Gulden, Mühlenweg 4, 54340 Klüsserath
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