ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2008Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Axel Knopp – Maschinen und Menschen

KUNST + PSYCHE

Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Axel Knopp – Maschinen und Menschen

PP 7, Ausgabe Dezember 2008, Seite 546

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Schon seit dem 18. Jahrhundert, als die ersten mechanischen Puppen entstanden, sind die Menschen von ihren künstlichen Ebenbildern fasziniert. In unserer Zeit beflügeln Roboter und Androiden die Fantasie des Publikums durch Filme wie „Blade Runner“ „RoboCop“ oder die Trilogie „Terminator“. Diese teilweise oder ganz und gar künstlichen Lebewesen aus der Welt der Science-Fiction finden in der Realität immer neue Entsprechungen in der modernen Medizin: vom Herzschrittmacher bis zum künstlichen Herzen und vom künstlichen Kniegelenk bis zur gesteuerten Prothese.

Eine künstlerisch eigenständige und oft erotisch aufgeladene Variante zu diesem Thema steuerte in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre der Bremer Künstler Axel Knopp bei. In den seinerzeit außerordentlich er-folgreichen Kunstwerken kombinierte er schwarz und silbern gefärbte Abdrucke von Maschinenteilen mit organisch anmutenden Formen in Rot und Rosa. Auf den Maschinenteilen sind oft noch Firmennamen oder technische Anweisungen zu lesen, im vorliegenden Siebdruck allerdings reduziert auf ein paar wenige Buchstaben am rechten Bildrand. Aus den hier versammelten Abdrucken von Metallteilen mit Scharnieren und Schrauben quillt der Bildgegenstand nach links dem Betrachter entgegen. Unübersehbar entwickelt sich im oberen Bildbereich eine Art rosafarbener Brust oder auch Schnuller, aus dem unteren Bereich – zunächst weniger deutlich – die Darstellung einer Vagina. Die kleine schwarze Fläche am linken unteren Bildrand entspräche in dieser Sichtweise einer schematischen Darstellung der Vulva. Thematisiert der Künstler hier eine Reduktion des Weiblichen auf primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, auf die Frau als Lustobjekt? Geht es gar um den Ersatz realer Frauen durch Maschinenwesen, zumindest aber um den Hinweis auf eine der längst per Katalog bestellbaren aufblasbaren Sexpuppen? Wem diese Fragen an das Bild zu weit gehen, sei auf den Titel der Grafik verwiesen: „Lustgegenstand Nr. 3.“ Hartmut Kraft

Biografie Axel Knopp
Geboren 1942 in Bremen. 1961 bis 1965 Studium an der staatlichen Kunstschule Bremen, 1965 bis 1967 am Hornsey College of Fine Art. 1965 Kunstpreis „Junger Westen“ in Recklinghausen, 1978 Villa- Massimo-Preis, Rom. Lebt in Bremen und auf Lesbos (Griechenland).

Literatur
Kraft H: DIALOGE. Literarischer Verlag Braun, Köln 1977.
Knopp A: Bilder und Graphik. Städtische Galerie im Burgmannshof, Quakenbrück, Selbstverlag 1983.
Verein progressiver deutscher Kunsthändler Köln (Hrsg.): Kunstmarkt 67. Katalog und Vorzugsausgabe zum ersten Kunstmarkt, Köln 1967.
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