szmtag Selbsterfahrung: Kausalinterpretation
ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2008Selbsterfahrung: Kausalinterpretation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Es ist sehr erfreulich, dass das umstrittene Gebiet der Selbsterfahrung im Deutschen Ärzteblatt behandelt wird. Es ist auch erfreulich, dass hier differenziert vorgegangen wird. Kritisch im Artikel von Frau Dr. Sonnenmoser möchte ich eine indirekt unterstellte Kausalität markieren: Wenn das Erleben von Selbsterfahrungsteilnehmern als abhängige Variable untersucht wird und alle aus dieser Perspektive negativ beschriebenen Variablen wie Rahmenbedingungen, Selbsterfahrungsleiterverhalten und so weiter ohne jegliche weitere kritische Betrachtung als unabhängige Variablen mit Verursachungscharakter dieser unabhängigen Variable gedeutet werden, verlässt das doch etwas den wissenschaftlich-seriösen Interpretationsbereich. Wenn dann auch noch kausal angedeutet wird, negative erlebte Selbsterfahrung sei Ursache für Probleme, die Therapeuten später mit ihren Klienten haben, geht das doch ein Stück zu weit an Kausalinterpretation. Diese Kausalität wird im Text zwar so nicht direkt behauptet, aber sichtlich nahegelegt.

Und noch etwas: Man sollte die Erfahrung von „emotionaler, sexueller oder Machtmissbrauch“ nicht in einem Satz nebeneinanderstellen, als wäre alles das Gleiche. Keines ist gut. Das eine ist aber deutlich schlimmer als das andere. Für das eine lassen sich relativ leicht objektive Missbrauchskriterien definieren. Beim anderen ist das Missbrauchsurteil Resultat eines breiten Interpretationsspielraums.
Dipl.-Psych. Dr. phil. Hans Lieb, Luitpoldstraße 3–9, 67480 Edenkoben
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Stellenangebote