ArchivDeutsches Ärzteblatt50/20084 Fragen an… Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer

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4 Fragen an… Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer

Jachertz, Norbert

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Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer
Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer
Hat die Ärzteschaft über die Mitwirkung von Ärzten an Medizinverbrechen wie „Euthanasie“ oder Experimenten an KZ-Gefangenen zu lange geschwiegen?

Hoppe: Abgesehen von einer kurzen Periode während und nach dem Nürnberger Ärzteprozess, der von der Ärztekommission unter Mitscherlich beobachtet wurde, ist lange nichts geschehen. Aber auch schon damals kam es nicht zu einer wirklichen Auseinandersetzung, geschweige denn zu einem Schuldeingeständnis. Eine gewisse Wende kam dann mit dem Ärztetag 1987.

Ihr Vorgänger Karsten Vilmar sprach damals von „Scham“ und „Gnade des Verzeihens“. Dies setzt eine Bitte an die Opfer um Verzeihung voraus. Hat es die je gegeben?

Hoppe: Meines Wissens nicht. Ich denke aber, es wäre wirklich an der Zeit, auf die Opfer oder deren Angehörige zuzugehen.

Wie stellen Sie sich das vor?
Hoppe: Eine kleine Kommission bei der Bundesärztekammer könnte zunächst den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu „Euthanasie“ und Menschenversuchen zusammenfassen. Darauf folgt eine öffentliche Bitte um Verzeihung, verbunden zum Beispiel mit einem symbolischen Akt gegenüber einem Opfer.

Das dauert noch lange?
Hoppe: Nein. Was den Stand der Wissenschaft angeht, so geht es im wesentlichen um eine Literaturstudie. Der Schritt auf die Opfer zu schließt sich unmittelbar an. Das kann noch in dieser Wahlperiode des Vorstands der Bundesärztekammer sein. Und die endet mit dem Deutschen Ärztetag 2011.
Die Fragen stellte Norbert Jachertz.
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