ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2008Liquiditätsengpässe: Anpassungsfähigkeit gefragt

SUPPLEMENT: PRAXiS

Liquiditätsengpässe: Anpassungsfähigkeit gefragt

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): [25]

Vetter, Michael

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LNSLNS Ein professionelles Liquiditätsmanagement schreibt Einnahmen und Ausgaben nicht nur fort.

Eines ist für Dr. Burkhard K. klar: Bei den Mitarbeiterinnen seiner Arztpraxis bestehen keine weiteren Möglichkeiten zur Kostenreduzierung. Die mithilfe einer Beratungsfirma in den zurückliegenden zwei Jahren durchgeführten Strukturmaßnahmen haben nicht nur drei Mitarbeiterinnen den Job gekostet, sondern auch bei den nun noch verbliebenen fünf Fachkräften zu Einkommenseinbußen geführt. Würde der Arzt versuchen, diesbezüglich weitere finanzielle Einschnitte durchzuführen, müsste er mit Kündigungen vor allem jener Mitarbeiterinnen rechnen, auf die er am wenigsten verzichten kann.

Das Thema der Kostenreduzierung hat sich für K. zum „Dauerbrenner“ entwickelt. Nachdem ihm seine Hausbank seinerzeit anhand von Liquiditätsermittlungen verdeutlichte, dass sich seine Kapitaldienstfähigkeit als Maßstab zur Zahlung seiner Zins- und Tilgungsraten für die Praxiskredite Jahr für Jahr verschlechterte, hatte er Kontakt zu einer Beratungsfirma aufgenommen. Deren Vorschläge, Kosten zu verringern, erstreckten sich vor allem auf den Personalbereich. Tatsächlich wurde die Liquiditätslage durch die Entlassungen verbessert. Jedoch verlor K. auf der anderen Seite Patienten, weil die bisherige Servicequalität nicht mehr in jedem Fall gewährleistet werden kann. Hinzu kommt ein schlechteres Betriebsklima.

K. hat sich entschieden gegenzusteuern. Als erste Maßnahme wird er regelmäßige Mitarbeitergespräche führen, in denen er die Umsatz- und Ertragssituation erläutert. Neben möglichst konkreten Zielvereinbarungen in Verbindung mit moderaten finanziellen Anreizen sollen die Mitarbeiterinnen auch Verbesserungsvorschläge in den Arbeitsabläufen der Praxis initiieren. In der Summe verspricht sich K. durch diese Maßnahmen Ertragsverbesserungen.

Als weiteren Schritt will K. seine persönlichen Ausgaben reduzieren. Dazu hat er seinen Steuerberater um eine Aufbereitung der Zahlen einschließlich seiner Privatentnahmen gebeten. Demnach liegen die Privatentnahmen im Monatsdurchschnitt bei K. und seiner vierköpfigen Familie bei rund 3 500 Euro. Hinzu kommen Kosten für Zins- und Tilgungsleistungen seiner Praxisdarlehen von nahezu 2 300 Euro monatlich, Beträge zur Altersabsicherung von monatlich 1 400 Euro sowie Kran­ken­ver­siche­rungsprämien von ebenfalls rund 1 400 Euro im Monat. Alles in allem beträgt dieser monatliche Fixkostenblock rund 8 600 Euro – eine Summe, über die sich K. jahrelang keinerlei Gedanken machte.

Als Sofortmaßnahme wird K. mit seinem Versicherungsberater über Optimierungsmöglichkeiten bei seinen Policen reden. Dieses Gespräch beinhaltet sowohl die Versicherungen zum Aufbau einer ergänzenden finanziellen Altersabsicherung über das Versorgungswerk hinaus als auch die Privatpolicen und die Praxisversicherungen. Auch will K. wissen, ob am Komfortschutz seiner Kran­ken­ver­siche­rung Einsparungen sinnvoll sind. Zudem hat er bereits einen Termin mit seiner Hausbank verabredet. Immerhin handelt es sich bei der Höhe seiner Zins- und Tilgungsleistungen um einen erheblichen monatlichen Betrag, von dem K. bisher noch nicht einmal weiß, welcher Teil dieses Betrags für Zinsen und welcher Teil für Tilgungsraten verwendet wird. Michael Vetter
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