ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Urintest zur Früherkennung chronischer Abstossungen

AKTUELL: Akut

Urintest zur Früherkennung chronischer Abstossungen

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): A-2678 / B-2274 / C-2190

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Von den circa 25.000 Nierenempfängern, die derzeit in Deutschland leben, müssen jährlich etwa 800 wieder an die Dialyse, meist wegen chronischer Transplantatabstoßung. Weltweit suchen Forscher nach Möglichkeiten, diese nicht invasiv und frühzeitig zu erkennen. Ein Weg dürfte vermutlich die Analyse von Proteinen aus dem Urin werden. Dass die Methode aussichtsreich ist, hat kürzlich ein Team um Dr. med. Luis Quintana von der Hospital Clínic in Barcelona bewiesen. Mithilfe eines Musters von 14 Urinproteinen wurden in einer Gruppe von Nierenempfängern verschiedene Manifestationen der Abstoßung richtig erkannt (J Am Soc Nephrol DOI:1681/ASN.2007101137). Die Forscher untersuchten den Morgenurin von 40 Nierenempfängern und verglichen das Ergebnis mit dem der Histologie von Gewebeproben, die unmittelbar im Anschluss an die Urinabgabe entnommen wurden. Acht Empfänger lebendgespendeter Nieren hatten eine stabile Transplantatfunktion, und weder im Biopsat noch in der Proteomanalyse gab es Auffälligkeiten. Bei 32 Probanden mit chronischer Abstoßung aber fand man zu 100 Prozent eine Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen der Proteomanalyse und der Histologie.

Proteomanalyse sehr zuverlässig
14 Patienten hatten eine interstitielle Fibrose, eine tubuläre Atrophie oder beides und 18 eine antikörpervermittelte chronische Rejektion. In der Kontrollgruppe waren zehn gesunde Probanden. „Ziel muss es sein, frühzeitig Allograft-Nephropathien zu erkennen, noch bevor die Kreatininwerte steigen, denn dann ist das Organ schon geschädigt“, sagte Prof. Dr. med. Hermann Haller (Medizinische Hochschule Hannover [MHH]) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Der Ansatz der Kollegen aus Barcelona ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Es ist jedoch für die klinische Anwendung noch zu früh.“ Dazu bedürfe es Proteomanalysen aus Urinproben prospektiv im Langzeitverlauf an einer großen Gruppe von Patienten und des Vergleichs mit der Histologie. Eine solch großangelegte Studie läuft derzeit in Hannover an. Ab dem kommenden Jahr sollen im Rahmen des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Transplantation bei allen Organempfängern der MHH – circa 500, darunter 180 Nierenempfänger – Urinproteinmuster und Gewebeproben vergleichend auf frühe Zeichen chronischer Abstoßungen untersucht werden, auch mithilfe massenspektroskopischer Untersuchungen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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