ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Medizinfehler: Nichts Lehrreiches
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Vorweg gesagt: Ein bestürzender Sachverhalt wird beschrieben. Ich bin auch Arzt und habe auch drei Kinder . . . Ich war nach dem Lesen sehr betroffen. Doch fachlich gelernt habe ich nichts. Dass man falsch intubieren kann, wusste ich. Nichts wird jedoch dazu gesagt, wie man es lernen kann, schwer verletzte Kinder besser zu intubieren. Kinder sind sowieso schwer zu intubieren und sicher deutlich schwieriger nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma (vermutlich mit Schwellungen, Blut, Deformierungen . . .). Nichts Lehrreiches ist es, dass die Ärzte ihre alten „Bewältigungsstrategien“ an den Tag gelegt haben, dass die Versicherung, wie alle Versicherungen, möglichst nicht zahlen will. Auch die „Patientenseite“ verhält sich wie die meisten Patienten. Dort, wo Geld zu holen ist, holt man es sich. Wem hat es nun geholfen, dass die Eltern sich haben Geld zahlen lassen? War die Ärztin nicht genug gestraft durch die strafrechtliche Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung? Zeigte sie sich nicht genug betroffen, psychisch stark mitgenommen? Hat das Geld der Assistenzärztin den Eltern nun geholfen, ihren Schmerz zu überwinden? Wenn ja, schätze ich die Eltern falsch ein. Mit wie viel Geld ist man wohl über den Tod eines geliebten Kindes hinweggetröstet? Oder haben die Eltern das Geld nach Erhalt gespendet für Intubationskurse junger Notärzte, um anderen Eltern dieses Schicksal zu ersparen? Nein, auch die Eltern haben „übliches“ Verhalten an den Tag gelegt . . . Was bringt es, wenn man nachher auf erfolglose Ersthelfer – Ärzte – mit juristischen Mitteln eindrischt? Es wird nur so sein, dass eines Tages keine Ersthelfer mehr überall verfügbar sind oder man sich auf eine juristisch korrekte Minimalversion der Ersthilfe beschränkt . . . Allen Beteiligten spreche ich meine tiefe Anteilnahme aus und hoffe, dass das Schicksal mich vor solchen Situationen verschont.
Dr. Christoph Liebrecht, Kohlbrink 8, 49324 Melle
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