ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Organspenden: Realitätsfern
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Ich gratuliere Frau Schneider zu ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für die Menschlichkeit und gegen die absurde Idee finanzieller Anreize für potenzielle Organspender! „Nichtkommerzialisierbarkeit des menschlichen Körpers“, der „Leib als nicht disponibles Objekt“ und die „Umwandlung des altruistischen Organspendeakts in ein Geschäft“, all diese geschliffenen Formulierungen beeindrucken sehr und zeugen von ihrer intensiven Beschäftigung mit der Problematik der Organspende. Aber vielleicht hätte sich die Autorin mit der Thematik des Organmangels befassen sollen, denn das wesentliche Problem besteht nicht in der Gefahr einer Gesellschaft, die Menschen zum Organkapital erklärt, sondern die wesentliche Frage lautet, wie die „Pro“ -Partnerin richtigerweise feststellt, „wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der Patienten auf einer Warteliste sterben, weil es zu wenig Organspender gibt?“ So sind Frau Schneiders Ausführungen sehr realitätsfern, zumal sie keinerlei Alternative bieten kann. Natürlich muss ein Modell finanzieller Anreize streng auf Durchführbarkeit geprüft werden, aber jeder pragmatische Vorschlag, der eine Verbesserung der aktuellen Situation verspricht, ist es wert, in Betracht gezogen zu werden. Theoretische Überlegungen, welche den Anspruch der Wahrung der humanitären Werte erheben, und das Schicksal von Patienten mit einer terminalen Organinsuffizienz auf einer Warteliste außer Acht lassen, widersprechen der Humanität, der Bewahrung von Leben, und sind nur aus der luxuriösen Position, nichts mit der Behandlung solcher Patienten zu tun zu haben, möglich.
Dr. med. Bernhard Flörchinger, Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie,
Universitätsklinikum Regensburg,
Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg
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