ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Giacomo Puccini: Der Traum von Ruhm und Reichtum

KULTUR

Giacomo Puccini: Der Traum von Ruhm und Reichtum

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): A-2716 / B-2304 / C-2220

Goddemeier, Christof

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Zeitlebens beneidet Puccini Richard Wagner, der seine Libretti selbst schrieb. Foto: picture-alliance
Zeitlebens beneidet Puccini Richard Wagner, der seine Libretti selbst schrieb. Foto: picture-alliance
Vor 150 Jahren, am 22. Dezember 1858, wurde der italienische Komponist in Lucca geboren.

Dass Puccinis Leben weit ins 20. Jahrhundert reichte, versetzt auch Musikfreunde immer wieder in Erstaunen – verortet man den Komponisten doch eher in der Nähe des fast 50 Jahre älteren Verdi als an der Schwelle zur Moderne. Dabei gehört er mit Mozart und Verdi seit Jahrzehnten zu den Meistgespielten der internationalen Opernliteratur. Sein Werk ist schmal: zwölf Opern, darunter eine unvollendete („Turandot“), und vier Einakter. Interessiert und distanziert zugleich verfolgte Puccini, wie Schönberg, Webern und Berg aus dem klassischen System ausbrachen. Er selbst blieb der Tonalität bis an ihre Grenzen treu.

Am 22. Dezember 1858 wird Giacomo Puccini in Lucca geboren. Seine Vorfahren bestimmen seit mehr als hundert Jahren das musikalische Leben der Stadt. Der Vater ist Domorganist und Musikdirektor, auch die Mutter entstammt einer musikalischen Familie. Am Istituto musicale Pacini erfährt Puccini eine gründliche Ausbildung und erwirbt den Titel eines „maestro compositore“. Er träumt von Reichtum und Ruhm und verdingt sich als Organist in den Kirchen der Stadt. Parallel beginnt er zu komponieren.

Seine ersten beiden Opern sind Durchschnittsware („Le Villi“ 1884, „Edgar“ 1889). Den „Edgar“ wird Puccini sich nie verzeihen. Als er der Londoner Freundin Sybil Seligman Jahre später einen Klavierauszug schickt, paraphrasiert er den Titel als „E Dio ti GuARdi da quest’opera – Und Gott schütze dich vor dieser Oper“. Doch von der dritten („Manon Lescaut“ 1893) an wird jedes Stück ein Welterfolg. Puccini gelangt allein durch Aufführungstantiemen und Notenverkauf zu aberwitzigem Reichtum. 1919 gibt er mit 11 508 Lire rund drei Prozent seiner Tantiemen beim Finanzamt an – laut Biograf Dieter Schickling gehört der „exzessive Steuerbetrug“ zum „historischen Inventar Italiens“.

Mitte der 1880er-Jahre beginnt Puccini eine Liebesbeziehung mit der verheirateten Elvira Bonturi – im katholischen Italien ein unerhörter Skandal. 1886 wird der gemeinsame Sohn Antonio geboren. Bald darauf verlässt Elvira ihren Mann und lebt fortan mit Puccini zusammen. Heiraten können die beiden erst nach dem Tod ihres Mannes knapp 20 Jahre später. Die Beziehung ist von Krisen geschüttelt. In einer ununterscheidbaren Mischung aus Zuneigung, Angst, Überdruss, Sehnsucht, Fluchtwünschen und Verlangen hängt Puccini an Elvira, deren Geduld er durch zahlreiche Affären aufs Äußerste strapaziert. Ausgerechnet die unglückliche Hausangestellte Doria Manfredi ist schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Als sie sich gegen Elviras Beleidigungen und Verleumdungen nicht mehr anders zu helfen weiß, nimmt die junge Frau sich 1909 das Leben.

Warum die Uraufführung der „Madame Butterfly“ am 17. Februar 1904 in der Mailänder Scala ein derartiges Fiasko war, ist nicht leicht zu sagen. Giulio Ricordis Verlagszeitschrift berichtet von „Gemecker, Getöse, Gebrüll, Gelächter, Geschrei, Hohnlachen“. Die Aufführung in Brescia drei Monate später ist dagegen ein überwältigender Erfolg, und „Madame Butterfly“ tritt ihren bis heute anhaltenden Siegeszug um die Welt an. Zeitlebens beneidet Puccini Richard Wagner, der seine Libretti selbst schrieb. Seine Librettisten treibt er zur Verzweiflung, weil er immer wieder verwirft und Änderungen zu erzwingen sucht. In Krisenzeiten schläft er nur mit dem Barbiturat Veronal. Er komponiert vor allem nachts, trinkt dabei Kaffee und raucht eine Zigarette nach der anderen. Sybil Seligman bittet er um „Medizin, die die Seele stärkt“ – Kokain, dessen Konsum damals weitverbreitet ist und nicht bestraft wird.

Am 29. November 1924 stirbt Giacomo Puccini im Brüsseler Institut Chirurgical an einem bösartigen Kehlkopftumor.
Christof Goddemeier
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1.
Schickling D: Giacomo Puccini. Stuttgart 2007.
2.
Krausser H: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini. Roman, Köln 2008.
1. Schickling D: Giacomo Puccini. Stuttgart 2007.
2. Krausser H: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini. Roman, Köln 2008.

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