ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Mammografiescreening: Greifswalder Modell

TECHNIK

Mammografiescreening: Greifswalder Modell

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): A-2718 / B-2305 / C-2221

EB

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Die Website www.ein-teil-vonmir. de informiert über das Mammografie- Screening- Programm.
Die Website www.ein-teil-vonmir. de informiert über das Mammografie- Screening- Programm.
Seit 2006 werden in Deutschland über das Mammografieprogramm alle zwei Jahre Brustkrebsuntersuchungen für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren finanziert. In der Praxis hat sich allerdings herausgestellt, dass es vor allem in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte schwierig ist, diese Untersuchungen sowohl in der Breite als auch in der Qualität langfristig abzusichern. Ärzte der Universität Greifswald haben daher ein telemedizinisches Netzwerk entwickelt, mit dem Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen auch in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern in hoher Qualität durchgeführt werden können. Damit wurden Forschungsergebnisse aus einem von der Pomerania e.V. geförderten Telemedizinprojekt in Vorpommern erfolgreich umgesetzt.

„Selbst Mammografiegeräte auf Lastkraftwagen wären für bevölkerungsarme Landesteile in Mecklenburg-Vorpommern zu aufwendig gewesen. Die weit auseinanderliegenden Haltepunkte hätte den Frauen auf dem Land die Anreise nicht erspart. Zudem bestand die Gefahr, dass die Ausbildung junger Ärzte geschwächt wird“, erklärte Prof. Dr. med. Norbert Hosten, Direktor des Instituts für diagnostische Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Telemedizinnetzwerk in Vorpommern entschlossen sich die Experten deshalb, mit einem System der Firma Image-Diagnost zunächst ein digitales Mammografie-Screeningnetzwerk mit zwei 100 Kilometer voneinander entfernten Standorten aufzubauen. Mit digitaler Röntgentechnik verschiedener Hersteller wurden Aufnahmen angefertigt, über das Netz verschickt und an hochauflösenden Monitoren ausgewertet. Das System arbeitete bereits kurz nach dem Aufbau störungsfrei. Inzwischen wurde das Modell mit vier programmverantwortlichen Ärzten auf das gesamte Bundesland ausgedehnt.

Für die Frauen hat das System den Vorteil, dass sie eine Röntgenpraxis in der Nähe ihres Wohnorts aufsuchen können. Dort kann ein entsprechend ausgebildeter Arzt die Aufnahme mit einem digitalen Röntgengerät anfertigen und den Erstbefund erstellen. Eine standardisierte Eingabemaske erleichtert dabei die Dateneingabe. Per S-DSL werden anschließend die Daten teilweise automatisiert an einen zweiten Röntgenarzt verschickt. Schließen beide Ärzte ein Mammakarzinom aus, wird die Teilnehmerin am Vorsorgeprogramm per Brief informiert. Gibt es jedoch Differenzen zwischen beiden Befunden oder ergibt sich ein Verdacht auf Brustkrebs, sendet das System Bilder und Befunde automatisiert an die Expertin an der Universität Greifswald. Diese entscheidet dann über die weitere Abklärung und erstellt den endgültigen Befund.

Das System erwies sich auch nach der Testphase als schneller und weniger fehleranfällig als frühere Screeningprogramme. Dort wurden Mammografieaufnahmen von Kurierdiensten zwischen den teilnehmenden Ärzten transportiert. Da sich die eingebundenen niedergelassenen Ärzte einmal pro Woche in Greifswald zur Auswertung strittiger Befunde treffen, kann auch die Weiterbildung abgesichert werden. EB

Informationen: Kooperationsgemeinschaft Mammographie in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung: www.ein-teil-von-mir.de/die_mammographie/die_mammographie.php
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