ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Börsebius: Rentnerfalle Immobilienfonds

GELDANLAGE

Börsebius: Rentnerfalle Immobilienfonds

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): A-2720 / B-2312 / C-2224

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Da waren es doch schon elf. So viele Immobilienfonds geben derzeit ihre Anteile nicht zurück. In aller Schlichtheit heißt das, Anleger kommen in einem eigentlich als hochsolide und als gut rentierlich geltenden Segment nicht an ihr Geld. Und dieser betrübliche Zustand soll noch mindestens drei Monate andauern.

Dass es sich hier um keine Lappalie handelt, verdeutlicht das milliardenschwere Volumen der geschlossenen Immobilienfonds. „Verschlossen“ wäre an sich im Moment der bessere Ausdruck, ist doch immerhin ein üppiges Drittel des gesamten Marktvolumens blockiert.

Alle Kunden sind gleich, aber manche doch gleicher – nach dem treuherzigen Motto behandeln einzelne „verschlossene“ offene Immobilienfonds diejenigen Sparer besser, mit denen ein Auszahlplan vereinbart wurde. Diese privilegierte Gruppe bekommt nämlich auch weiterhin, der temporären Fondsschließung trotzend, ihr Geld. Monat für Monat. Kein Wunder, dass alle anderen Anleger, die einen solchen Auszahlplan nicht vereinbart haben, empört bis stinksauer sind.

„So gehe das aber auch nicht“, meinte die zuständige Aufsichtsbehörde und klopfte den betroffenen Fondsanbietern so richtig auf die Finger. In einem Schreiben stellte das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) klar, dass die weitere Bedienung von Auszahlplänen während der ausgesetzten Rücknahme von Fondsanteilen „nicht mit dem Grundsatz der Anlegergleichbehandlung vereinbar und damit investmentrechtlich unzulässig ist“. Die Fortsetzung von Auszahlungen sei damit nicht möglich, sagte eine Behördensprecherin am 2. Dezember.

So klar die Formulierung, so heftig die Reaktion der Branche. Darüber sei das letzte Wort noch lange nicht gesprochen, meinte ein Sprecher des Immobilienfonds „Degi“. Auch der Dachverband der Branche, der Bundesverband Investment, titulierte den BaFin-Vorstoß als „unglücklich“. Besonders Ruheständler nutzen vor allem die Auszahlpläne, um damit ihre monatliche Rente aufzubessern. In der Regel läuft das so, dass eine größere Summe, etwa die Auszahlung einer Lebensversicherung, in den Immobilienfonds einbezahlt wird und direkt ein fester Betrag alle vier Wochen wieder an den Anleger zurückfließt.

Das BaFin hat vor allem Sorge, dass die Weiterzahlung im Rahmen der Auszahlpläne die Öffnung der Immobilienfonds verzögern könnte, von der Ungleichbehandlung ganz zu schweigen. Die Gesellschaften halten dagegen, dass auch während der Schließung täglich ein Anteilspreis ermittelt würde und somit alles kein Problem sei. Das Verhalten der Fonds lässt sich nur schwer verstehen. Alle Anleger sind schließlich gleich zu behandeln. Zeitweise geschlossen ist eben zeitweise geschlossen. Und sich mit der BaFin anzulegen, dazu sind die Zeiten nicht so.
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