ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Versicherungen: Den „Policenwald“ lichten

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Versicherungen: Den „Policenwald“ lichten

Dtsch Arztebl 2008; 105(50): [106]

Büser, Wolfgang

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LNSLNS Die Deutschen geben viel Geld für Versicherungen aus. Aber nicht alle abgeschlossenen Policen sind auch wirklich notwendig.

Bei einigen Versicherungen muss nicht erst überlegt werden, ob sich ein Abschluss lohnt – sie sind gesetzlich vorgeschrieben. Dabei handelt es sich für Arbeitnehmer um die Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Der Gesetzgeber unterstellt bei diesen Policen, dass Arbeiter und Angestellte schutzbedürftig sind. Autofahrer sind verpflichtet, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen – dies mit Blick darauf, dass ein verschuldeter Unfall außer den Schuldigen auch den Geschädigten finanziell überfordern kann.

Wichtige Policen
Eine der wichtigsten Versicherungen ist die Privathaftpflichtversicherung. Sie schützt vor möglichen Millionenforderungen, wenn einem anderen ein Schaden zugefügt wird.

Eine private Rentenversicherung („Riester“/„Rürup“-Rente) kann eine wichtige Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung oder der berufsständischen Versorgungswerke sein sein (wenn nicht eine andere Anlageform vorgezogen wird).

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzt die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. In den ersten fünf Jahren einer Berufstätigkeit kann sie gegebenenfalls ein Vollersatz sein.

Eine private Kran­ken­ver­siche­rung ist im Regelfall nur für Selbstständige und solche Arbeitnehmer bedeutsam, die nicht versicherungspflichtig sind und auch nicht die freiwillige gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung gewählt haben. Ihr Versicherungsschutz sollte auch ein Krankentagegeld einschließen, das den Einkommensausfall während einer Arbeitsunfähigkeit ersetzt.

Eine Pflegezusatzversicherung stockt die Leistungen der gesetzlichen wie privaten Lebensversicherung auf.

Eine private Unfallversicherung schützt zum Beispiel Hausfrauen und Kinder für den Invaliditätsfall. Arbeitnehmer (die gesetzlich unfall- und rentenversichert sind) können durch eine solche Police auch Unfälle in der Freizeit versichern. Allerdings: Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung schließt dieses Risiko bereits mit ein.

Eine Risikolebensversicherung empfiehlt sich für diejenigen, die eine Familie zu versorgen haben, die im Fall des Todes des „Ernährers“ preiswert abgesichert sein soll.

Eine Auslandsreise-Kran­ken­ver­siche­rung ist beinahe ein „Muss“ – egal, ob eine gesetzliche oder ohnehin schon eine private Kranken-versicherung besteht. Für die gesetzlich Krankenversicherten kann sie der einzige Schutz sein. Für privat Krankenversicherte kann sie helfen, den „Schadenfreiheitsrabatt“ aus der Hauptversicherung zu bewahren.

Eine Kfz-Teilkaskoversicherung ist vor allem wichtig für den Fall, dass das Auto gestohlen wurde.

Eine Hausratversicherung macht nur Sinn, wenn das Hab und Gut ei-nen hohen Wert hat. Wer pauschal 650 bis 700 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche versichert, dem wird im Schadensfall von seiner Versicherung nicht entgegengehalten, er sei „unterversichert“ (was sonst eine geringere Zahlung zur Folge hätte). Ist der Wert des Hausstands höher, so sollte er versichert sein, um auch im Fall eines Totalschadens „voll“ abgesichert zu sein.

Die Bauherren-Haftpflichtversicherung ist für Bauherren beinahe ein Muss, falls während der Bauphase Helfer zu Schaden kommen. Ebenso die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht für Vermieter.

Eine Wohngebäudeversicherung sollte für Hausbesitzer selbstver-ständlich sein, wenn sie nach einem Brand oder einer Überschwemmung nicht auch finanziell „im Freien“ stehen wollen.

Sinnvolle Ergänzungen
Eine stationäre Zusatzversicherung steht gesetzlich Krankenversicherten offen, die im Krankenhaus Chefarztbehandlung oder ein „ruhiges“ Zimmer bevorzugen.

Eine Kapitallebensversicherung schließen diejenigen ab, die bequem (wenn auch nicht unbedingt mit der höchstmöglichen Rendite) ihren Ausstieg aus dem Erwerbsleben finanziell absichern wollen – vor allem in Kombination mit einer „Direktversicherung“ über den Arbeitgeber eine gute Möglichkeit der zusätzlichen Alterssicherung.

Mit einer Rechtsschutzversicherung muss der Versicherte juristische Streitigkeiten nicht fürchten.

Auf eine Kfz-Vollkaskoversicherung legt wert, wer sein (selbst verschuldetes) Unfallrisiko hoch einschätzt. Sie schließt die Kfz-Teilkaskoversicherung generell ein.

Luxusprodukte
Diese Versicherungen werden kaum gebraucht: die Glasbruchversicherung (ein solcher Schaden überfordert niemanden), die Insassen-Unfallversicherung (Beifahrer sind weitgehend anderweitig geschützt, entweder durch den eigenen Fahrer, falls er den Unfall verschuldet hat, oder durch den Gegner im umgekehrten Fall), die Reisegepäckversicherung (ihre Bedingungen sehen mehr Ausschlüsse als Leistungsgründe vor), eine Urlaubshaftpflicht- und Unfallversicherung (wer hier Bedarf sieht, sollte nicht nur für die Dauer des Urlaubs handeln) und Zusatzkrankenversicherungen für Brillen oder Heilmittel (die betreffenden Beträge können aus der eigenen Tasche gezahlt werden); sinnvoll ist hingegen eine Zusatzversicherung für Zahnersatzleistungen.
Wolfgang Büser
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