ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Arzt-Patienten-Kommunikation Verbesserung des Heilerfolgs durch die richtigen Worte

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Arzt-Patienten-Kommunikation Verbesserung des Heilerfolgs durch die richtigen Worte

Klinkhammer, Gisela

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Eine gute Kommunikation kann die Prognose der Patienten entscheidend verbessern. Foto: Barbara Krobath
Eine gute Kommunikation kann die Prognose der Patienten entscheidend verbessern. Foto: Barbara Krobath
Als besonders schwierig empfinden Ärzte häufig die Mitteilung von schlechten Nachrichten. In den USA wurde eine sechsstufige Kommunikationsstrategie zur Diagnosemitteilung erarbeitet.

Das Leben eines Kranken kann nicht nur durch die Handlungen eines Arztes verkürzt werden, sondern auch durch seine Worte und sein Verhalten“, hieß es schon 1847 in der Gründungsschrift der American Medical Association. Und daran hat sich offenbar bis heute nicht viel geändert. Dieser Meinung ist jedenfalls der Kölner Onkologe Priv.-Doz. Dr. med. Jens Rüffer.

So habe eine Studie aus dem Jahr 2000 (Patients Satisfaction and Quality of Life in Oncological Care) gezeigt, dass 34,6 Prozent der befragten Patienten sich nicht ernst genommen fühlten. 25,7 Prozent der Patienten fühlten sich unzureichend über ihr Krankheitsbild informiert. Als besonders schwierig empfinden Ärzte häufig die Vermittlung schlechter Nachrichten. Das kann beispielsweise in der Onkologie eine Krebsdiagnose, ein Rückfall oder ein Therapieversagen sein. In den USA wurde eine Kommunikationsstrategie (SPIKES) entwickelt, die von Rüffer Anfang Oktober in Köln vorgestellt wurde.

1. Setting up the interview (Vorbereitung des Interviews):
Damit ein Gespräch von Anfang an positiv verlaufen kann, sollte der Arzt innerlich kurz das Gespräch und seine Aufgabe reflektieren. Außerdem sollte er beispielsweise darauf achten, dass das Gespräch sitzend und auf gleicher Augenhöhe geführt wird. Der Patient sollte außerdem freundlich begrüßt und mit Namen angesprochen werden.
2. Find out the Patient’s Perception of the illness (Feststellung der Sicht des Patienten von seiner Krankheit):
Zunächst sollte der Arzt versuchen, die Sicht des Patienten kennenzulernen. Dafür kann er bestimmte Techniken, wie zum Beispiel aktives Zuhören und die Wiederholung des Gesagten („Habe ich richtig verstanden, dass Sie glauben . . .?“), einsetzen. Er sollte auch das Verständnislevel und das Vokabular des Patienten beachten und versuchen, dessen Sprache zu sprechen.
3. Get an Invitation to give Information (Einladung zur Mitteilung der Informationen):
Bevor der Arzt die medizinischen Informationen mitteilt, sollte er versuchen zu ermitteln, was der Patient erfahren will. Der Patient hat auch das Recht, nicht alles genau wissen zu wollen beziehungsweise zu einem späteren Zeitpunkt, wenn er zu einer Aufnahme eher bereit ist.
4. Giving the Patient Knowledge and information (dem Patienten Wissen und Informationen vermitteln):
Der Mitteilung der Diagnose sollte sich schrittweise angenähert werden. Der Arzt sollte möglichst keine medizinischen Fachausdrücke benutzen, einfach und verständlich informieren und kontrollieren, ob der Patient ihn versteht.
5. Responding to patient Emotions (Reaktion auf die Emotionen des Patienten):
Die Gefühle des Patienten sollten auf jeden Fall einbezogen werden. Wenn Emotionen berücksichtigt werden, können Informationen auch aufgenommen werden. Eine wesentliche Voraussetzung für den Umgang mit Gefühlen ist ein em-
pathisches Verhalten. Nur wenn der Arzt sich in den Patienten hineinversetzen kann und sein Denken, seine Gefühle, Interessen und Bedürfnisse ernsthaft wahrnimmt, wird er als wirkliche Unterstützung empfunden.
6. Communicating a Strategy and Summary (Besprechung der Strategie und Zusammenfassung):
Bevor der Arzt eine Behandlungsstrategie vorschlägt, sollte er seine eigenen Vorstellungen mit den Informationen abgleichen, die er im Lauf des Gesprächs gesammelt hat. Eventuell auftretende Schwierigkeiten müssten erkannt und gemeinsam geklärt werden. Abschließend gibt der Patient dem Arzt sein Einverständnis.
Eine gute Kommunikation führt Rüffer zufolge nicht nur zu einer höheren Patientenzufriedenheit, sondern auch zu nützlichen Effekten im ärztlichen Alltag: „Zahlreiche Studien belegen, dass die intensive Kommunikation zwischen Arzt und Patient für den Heilerfolg entscheidend sein kann und somit die Prognose eindeutig verbessert. Denn Patienten, die ihr Behandlungskonzept verstehen und sich selbst verstanden fühlen, arbeiten aktiv und denken positiver. Und die Ärzte könne vor Burn-out bewahrt werden.“
Weitere Anregungen für eine gute Kommunikation zwischen Patient, Angehörigen und Arzt bietet der Arzt-Informationsfilm „Pankreaskarzinom. Erkennen – Begreifen – Behandeln“ (www.pankreas karzinomzentrale.de).
Gisela Klinkhammer
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