ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2008Arztgeschichte: Kann ich morgen wieder pfeifen?

SCHLUSSPUNKT

Arztgeschichte: Kann ich morgen wieder pfeifen?

Dürr, Peter

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Zeichnung: Elke R. Steiner
Zeichnung: Elke R. Steiner
„Ich versuchte, meine aufkommende Unsicherheit zu verbergen, und entschloss mich zu einer möglichst neutralen diplomatischen Antwort.“

Bei einem etwas beleibten Patienten im vorgerückten Alter führte ich in meiner chirurgischen Praxis ambulant eine Phimosenoperation durch. Der Eingriff verlief komplikationslos, bei einer samstäglichen Verbandssprechstunde circa zehn Tage später konnte ich dem Patienten mitteilen, dass der Heilungsverlauf gut und ich mit dem Ergebnis zufrieden sei.

Der Patient nickte zufrieden, holte tief Luft und fragte mich: „Kann ich dann morgen wieder pfeifen?“ Die anwesende Mitarbeiterin verließ umgehend das Sprechzimmer, in der Meinung, dass derartige Fragen besser unter vier Augen mit dem Patienten geklärt werden sollten. Ich versuchte, meine aufkommende Unsicherheit zu verbergen, und entschloss mich nach einer Denkpause zu einer möglichst neutralen diplomatischen Antwort: „Etwas vorsichtig müssen Sie schon noch sein, die Operation ist ja erst zehn Tage her!“

Erleichtert und mit Genugtuung nahm der Patient meine Mitteilung zur Kenntnis und erklärte: „Wissen Sie – ich bin nämlich nebenberuflich noch Schiedsrichter und sollte morgen ein Fußballspiel leiten“!
Dr. med. Peter Dürr

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