ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2008Inanspruchnahme und Durchführung von sportärztlichen Vorsorgeuntersuchungen Befragungen von mehr als 10.000 Langstreckenläufern: Plötzlicher Herztod
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LNSLNS Es ist den Autoren uneingeschränkt zuzustimmen, wenn sie auf den hohen Stellenwert einer qualifizierten sportärztlichen Untersuchung hinweisen. Auch wird zurecht herausgestellt, dass insbesondere im freien Wettkampf- und Breitensport der Anteil übergewichtiger Untrainierter und anderer Risikoträger tendenziell steigt. Vor diesem Hintergrund verwundert andererseits, wenn in den zitierten Leitlinien zur Vorsorgeuntersuchung im Sport lediglich ein Ruhe-EKG als obligate apparative Untersuchungsmaßnahme für jeden Probanden aufgelistet wird, während das Belastungs-EKG nur bei bestimmten Subgruppen und weitere apparative Analysen wie Lungenfunktion und Echokardiografie nur bei Verdacht oder Symptomen indiziert sein sollen.

Es darf als hinreichend belegt gelten, dass plötzliche Herztodesfälle während sportiver Betätigung – auch bei prominenten Leistungssportlern – nicht selten von Kardiomyopathien oder anderen strukturellen Herzanomalien verursacht werden, welche zu Lebzeiten nicht bekannt waren. Auch die koronare Herzerkrankung verschiebt sich zunehmend in jüngere Lebensalter. Die jüngste, mir persönlich bekannte Koronarbypassträgerin wurde mit 25 Jahren operiert, der jüngste mir bekannte Patient, der aus völliger Beschwerdefreiheit heraus an einem infarktbedingten plötzlichen Herztod verstarb (Diagnosesicherung durch Obduktion), wurde nur 24 Jahre alt.

Angesichts dieser Aspekte erscheint sinnvoll, den apparativen Anteil einer sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchung dahingehend weiter zu fassen, dass möglichst bei jedem Probanden ein 12-kanaliges Belastungs-EKG und eine Echokardiografie vorgesehen werden. Beide Methoden könnten insgesamt einen wesentlichen Beitrag leisten, hämodynamisch relevante Koronarinsuffizienzen, potenziell bedrohliche belastungsinduzierte Arrhythmien, Kardiomyopathien, rechtsventrikuläre Dysplasien und Aortenstenosen auch in klinisch inapparenten Stadien zu erfassen. Durch diese Zusatzdiagnostik könnte wahrscheinlich eine wesentlich weitreichendere diagnostische Absicherung erzielt werden, welche es erlaubt, potenziell gefährdete Probanden im Vorfeld zu selektieren. Dies könnte in zukünftigen Leitlinien berücksichtigt werden.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0900a

Prof. Dr. med. Jörg Piper
Meduna-Klinik, Clara-Viebig-Str. 4, 56864 Bad Bertrich
E-Mail: webmaster@prof-piper.de

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