ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2008Inanspruchnahme und Durchführung von sportärztlichen Vorsorgeuntersuchungen Befragungen von mehr als 10.000 Langstreckenläufern: Schlusswort
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LNSLNS Sämtliche Vorsorgeuntersuchungen unseres Gesundheitssystems müssen stets als Kompromiss aus Analyse von Kosten und Nutzen, basierend auf ausreichender Evidenz angesehen werden. Wir danken Kollegen Piper für seine ergänzenden Hinweise zur Diagnostik bei sportärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und die von ihm angeregte Diskussion. Über die obligaten Untersuchungsanteile wird im internationalen Bereich sehr kontrovers diskutiert: In den USA wird bei der Routineuntersuchung nur Anamnese und klinische Untersuchung verlangt, selbst das Ruhe-EKG ist umstritten. In Europa dagegen wird die qualifizierte EKG-Befundung als Standard gefordert. Für weitergehende Empfehlungen, insbesondere Belastungsergometrie oder Herzechokardiographie, fehlen bislang evidenzbasierte Daten. Die von Kollegen Piper empfohlene Diagnostik wird in Deutschland lediglich bei Kaderathleten routinemäßig durchgeführt. Dies weist auf ein grundsätzliches Problem bei Vorsorgeuntersuchungen hin: die Kostenübernahme. Sportärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind nicht im Leistungsspektrum gesetzlicher oder privater Kran­ken­ver­siche­rungen festgelegt, weshalb die Kosten von den Patienten selbst zu tragen sind (IGeL).

Die vorliegende Studie belegt, dass sich vor allem ältere Freizeit- und Breitensportler beziehungsweise Neu- oder Wiedereinsteiger einem erhöhten Risiko aussetzen, da sie ohne einen sportärztlichen Gesundheitscheck Sport treiben. Mit Blick auf die weite Verbreitung von Übergewicht und Bewegungsmangel in Deutschland und die hierdurch verursachten Folgekosten ist es unverständlich, dass eine derartige Screeninguntersuchung nicht bezahlt wird. Aus Sicht der Verfasser besteht hier eindeutig Handlungsbedarf für Versicherungsträger und Politik, um die oft medienwirksam propagierten Präventionskampagnen sportärztlich und medizinethisch abzusichern.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0900b

Prof. Dr. med. Dr. Sportwiss. Dieter Leyk
Institut für Physiologie und Anatomie
Deutsche Sporthochschule Köln, Carl-Diem-Weg 6, 50933 Köln
E-Mail: Ruether@dshs-koeln.de

Prof. Dr. med. Herbert Löllgen
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention
Bermesgasse 32b, 42897 Remscheid
E-Mail: h.loellgen@sana-klinikum-remscheid.de

Interessenkonflikt
Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Drezner JA: Contemporary approaches to the identifiaction of athletes at risk for sudden death. Curr Opin Cardiol 2008; 23: 494–501. MEDLINE
2.
Gibbons RJ, Balady GJ, Bricker JT: American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines. Committee to Update the 1997 Exercise Testing Guidelines. ACC/AHA 2002 guideline update for exercise testing: summary article. J Am Coll Cardiol 2002; 40: 1531–40. MEDLINE
3.
Löllgen H, Gerke R : Belastungs-EKG (Ergometrie) Herzschrittm Elektrophysiol 2008; 19: 98–106. MEDLINE
1. Drezner JA: Contemporary approaches to the identifiaction of athletes at risk for sudden death. Curr Opin Cardiol 2008; 23: 494–501. MEDLINE
2. Gibbons RJ, Balady GJ, Bricker JT: American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines. Committee to Update the 1997 Exercise Testing Guidelines. ACC/AHA 2002 guideline update for exercise testing: summary article. J Am Coll Cardiol 2002; 40: 1531–40. MEDLINE
3. Löllgen H, Gerke R : Belastungs-EKG (Ergometrie) Herzschrittm Elektrophysiol 2008; 19: 98–106. MEDLINE

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